Pa’a - kämpf’ für Dein Ziel! (III)


Nach den Blogs der vergangenen zwei Jahre (siehe rechte Spalte), begleitet der aktuelle Blog meinen Weg (und den von Fürst-Rainer und Reinbek-Maik) zum Ironman-Wisconsin im September 2010. Es stellen sich zwei Fragen: Was können berufstätige Ü-40er leisten? Und wie viel Spaß können Sie beim Training haben?! 

 

Gibt's das?! Das gibt's doch nicht!! PDF Drucken E-Mail
von Mathias Müller   
03.09.10

Liebe Leute,

es gibt Dinger, die darf es eigentlich gar nicht geben. Es gibt sie aber dennoch, was nicht bedeutet, dass wir sie einfach so hinnehmen müssen und sollten.

Mir ist jedenfalls etwas untergekommen, was mich dazu bringt, meine Blog-Pause kurzzeitig zu unterbrechen. "Was kann schon so wichtig sein?", werdet Ihr Euch vielleicht fragen. Aber es ist tatsächlich wichtig, und Ihr werdet es sehen.

Vorab möchte ich erwähnen, dass ich hiermit eine Art empirische Untersuchung starte, also das folgende im weitesten Sinn eine wissenschaftliche Arbeit in Gang setzen könnte. (ja ich weiß, hört sich komisch an, ist aber so).

Also zum Thema:

Vor wenigen Tagen flatterte mir die neue TriTime auf den Tisch. Jenes Magazin, welches ich als DTU-(Deutsche Triathlon Union)Startpass-Inhaber (gewollt oder ungewollt) unterstütze (noch vor einiger Zeit nahm diese Position das Triathlon-Magazin ein). Ich möchte hier keinen Qualitätsvergleich anstellen, zumal man sich manchmal vorkommt, als käme man vom Regen direkt in die Traufe. Wobei, mitunter fühlt es sich an wie ein Wasserfall.

Auch in der neusten TriTime dürfen wieder Hersteller unkommentiert über ihre Produkte schreiben, aber das ist ja nix neues. An dieser Stelle fällt mir übrigens Pa'a-Martin ein, der mir sagte: "Ich habe da mal am Kiosk reingeblättert, und dann entschieden, dass die keinen Cent von mir bekommen." Na, so kann es vielleicht vielen von Euch gehen, aber das ist eine andere Geschichte.

Beim Stöbern durch die neuste Ausgabe (3/2010) fällt mir zudem ein Artikel auf, bei dem eine Autorin Chrissie Wellingtons Familie während des Renntages in Roth begleiten durfte. Und ich meine, in dieser Form hätte die Geschichte gerademal in einer Schülerzeitung stehen dürfen – womit ich nicht die Qualität von Schülerzeitungen diskreditieren möchte.

Der eigentliche Knaller ist jedoch der Artikel von Bennie Lindberg, einem ehemaligen Profi und Buchautor, auf den Seiten 144 ff (TriTime 3/2010). Und den müssen wir uns einmal genauer ansehen.

Zuerst beschreibt er, wie er sich nach zwölf Jahren der Abstinenz vom Langstreckentriathlon mal wieder einen genehmigen möchte (also einen IM-Triathlon). Klagenfurt soll das ausgewählte Rennen sein. Im folgenden beschreibt er, wie er nur mit minimalem Aufwand, seine Vorbereitung durchführt. Diese Textpassage könnte aus seinem Buch stammen (er schreibt darüber wie man auch als Familienvater/mutter Triathlon machen kann), welches ich aber (nun) nicht (mehr) lesen werde. Im übrigen kommt er auf 15 Wochenstunden. So wenig also auch nicht.

Er geht über zu seiner Rennplanung, und da beginnt die Sache interessant zu werden: 

 

"...Aufgrund des großen Starterfeldes und der Annahme, dass mit mir sicherlich zeitgleich 100 bis 200 Athleten auf das Rad steigen, entschied ich mich für die Variante, mit möglichst wenig Kraftaufwand die 180 Kilometer zu absolvieren. Dies bedeutete: langsam anfangen, und wenn jemand überholt, unter Berücksichtigung der in Klagenfurt erlaubten sieben Meter Abstand zum Vordermann mitfahren. Denn auch das Mitfahren im legalen Abstand ist gleichbedeutend mit einer sehr, sehr großen Energieeinsparung. Und beim Laufen geht es einfach nur ums ..Überleben". Hinsichtlich meiner Radtaktik gebe ich ehrlich zu, die feine englische Art, einen Triathlon zu bestreiten, ist diese Planung sicherlich nicht."

 

Ein ähnliches Thema hatte ich ja schon in meinem Kopenhagen-Bericht aufgemacht. Herr Lindberg plant sein Mitfahren in einer Gruppe. Betont aber natürlich, dass dies legal ist. Für mich ist das zwar legal, aber grenzt an Weichei-Tum, sollte doch eigentlich jeder sein Rennen für sich machen. Denn – und das war gestern auch zwischen mir und Heiko Ottow beim Joggen Diskussionspunkt – anders als bei den Profis ganz vorne im Rennen, kämpfen Altersklassen-Athleten doch nicht wirklich nur um ein Klassement, sondern in erster Linie für ihre eigene Leistung. Und wenn es um das Klassement geht, dann sollte doch bitte jeder für sich und zudem fair sein Rennen bestreiten. Die in Klagenfurt üblichen 7 Meter Abstand sind indes eh ein Witz, denn aus 7 werden 5, oder gar 4, oder gar 2, wenn man den Worten Bennie Lindbergs folgt:

 

"...  dauerte es auch gar nicht lange und ich wurde von mehreren schnelleren Radfahrern eingeholt. Einige von ihnen hatten derart Druck in den Beinen, dass ein Mitfahren einem Him-melfahrtskommando geglichen hätte. Andere Wiederum fuhren nur etwas schneller als ich, sodass ich mich regelkonform reinhängte. Zunächst fuhren wir zu dritt, und ehe wir uns versahen, waren wir zu zehnt. Nach etwa 30 Minuten holten wir auch diese Monsterdruckfahrer ein. Eine echte Schande; aber so ist es eben."

 

 

Hier steuert Lindberg schon auf seinen ersten Höhepunkt hin. Er wartet regelrecht auf Leute, die ihn mitziehen. Und dann, ganz plötzlich, "huch!", sind sie zu dritt, dann zu zehnt. Nein, wie konnte das nur passieren?! Fahren doch alle so legal rum.
Immerhin funkt ein letztes bißchen Anstand in seinem Hirn, dass dies eigentlich eine Schande sei. Aber sein Mitläuferverstand bügelt das direkt wieder mit "so ist es eben" glatt. Für jemanden, der diesen Sport schon seit vielen Jahren macht, finde ich diese Einstellung nun wirklich schlimm. Aber Achtung, es geht weiter: 

 

 

"Nach gut 60 Kilometern besteht unsere Gruppe aus 30 Fahrern und peitscht gemeinsam mit einem 38-er-Schnitt über die Strecke. Ab und zu fahren auch ein paar Wettkampfrichter neben der Gruppe her. Die Abstände, die selten oder nie mehr als zwei bis drei Meter betragen, scheinen sie nicht zu stören. Dies scheint wohl die Toleranzgrenze zu sein. Allerdings fahren alle mit der Angst im Nacken, jederzeit eine Zeitstrafe aufgebrummt zu bekommen. Entgegen einem gut gemeinten Ratschlag, mich in der Gruppe zu verstecken, entschied ich mich, mich am Ende des Pulks einzuordnen. Plötzlich bekam ich völlig zu Recht eine Verwarnung. Das Frustrierende daran war, dass ich der Einzige in der Gruppe war. Wahrscheinlich dachte der Wettkampfrichter dass der Letzte so eben noch das Tempo halten konnte".

 

 

Da hat es ihn nun also erwischt. Und wieder funkt sein kleines bißchen Anstand "völlig zu Recht." Aber – Achtung, welch ein Rechtsempfinden?!! – frustriert ist er, weil es nur ihn erwischt hat! Jawoll! Das muss irgendwie nicht weiter kommentiert werden.
Das die Schiedsrichter überdies zum größten Teil dort unten nur spazieren fahren, dass zumindest habe ich auch 2009 so erlebt. Allerdings bin ich immer gegen die Gruppen angegangen, habe mit den Leuten diskuttiert (sie teilweise – Asche auf mein Haupt, mit unflätigen Wortkreationen bedacht), und bin, wenn eine Gruppe vorbei kam, Oberlenker und Füße-Hoch gefahren (was mich Zeit gekostet hat!), bis alle vorbei waren, um dann einen neuen Angriff zu wagen. Mann kann Schiedsrichtern und Mitstreitern gegenüber sehr wohl deutlich machen, dass man bei dieser Sache nicht mitmacht. Nicht so Autor Bennie Lindberg. Aber der Spaß (manche mögen meinen, die Unverschämtheit) geht noch weiter:

 

 

"Nach dem erforderlichen Stop-and-Go in der nächsten Penalty Box war die Gruppe natürlich weg und für mich ging es wie nach dem Schwimmen zunächst wieder alleine auf die Strecke. Es kam wie es kommen musste. Mit der Zeit fanden sich erneut annähernd gleich starke Fahrer zusammen. Vorbeifahrende Wettkampfrichter schienen mit den Abständen auch diesmal zufrieden zu sein. Also änderte keiner etwas an der gemeinsamen Taktik. 20 Kilometer später bekomme ich mit zwei anderen eine Zeitstrafe. Frustriert über die unterschiedliche Regelauslegung der Referees gebe ich Gas, um in der nächsten Penalty Box möglichst schnell meine Zeitstrafe abzusitzen. Kurz, nachdem ich mich habe registrieren lassen, höre ich Mitstreiter sagen: ,,Schau mal, das ist doch der Bennie Lindberg." Ich schwöre, ich habe mich selten so geschämt wie in diesem Augenblick."

 

 

Und wieder zuerst der Funke Anstand: "Ich schwöre ich habe mich selten so geschämt...." Allerdings, was ist diese Scham wert, wenn er eigentlich die Schiedsrichter beschuldigt: "Frustriert über unterschiedliche Regelauslegung." Die Schiedsrichter sind schuld, dass er – wohlgemerkt – seine zweite Strafe kassiert. Klaro!
Übrigens, wie verstehe ich das eigentlich. "Mit der Zeit finden sich annähernd gleich starke Fahrer zusammen" – wenn die gleichstark sind, dann müssen die doch irgendwie verteilt sein, oder nicht?! Und wenn "annähernd gleich starke", dann müssten doch bei fairer Fahrweise Abstände zustande kommen, oder nicht?! Während ich darüber nachdenke – und Ihr vielleicht auch – rast Lindberg (erneut im Pulk) einem neuen schriftstellerischen und moralischen Höhepunkt entgegen:

 

 

"Während der sechsminütigen Zwangspause fuhren mehrere größere Pulks an uns vorbei. Die Hoffnung, auf den verbleibenden Kilometern das tolle Bergpanorama alleine bewundern zu können, blieb mir verwehrt. Mit einem 36er-Schnitt fahre ich erneut auf eine Gruppe auf. Diese zu überholen wäre Harakiri gewesen. Auch wenn ich alleine sicherlich schneller gefahren wäre, hätte es keine Chance gegeben, mich von geschatzt 5O Triathleten abzusetzen. Wie beim Radrennen gibt es immer Fahrer; die genügend Kraft haben, um das entstandene Loch wieder zufahren. Ich ordnete mich also hinten ein und bekomme keine Minute später erneut eine Ermahnung. Auf die Frage, wie ich mich denn verhalten solle, bemerkte der Schiedsrichter, dass ich bereits eine Strafe abgesessen habe. Seine Antwort ist simpel, aber inkonsequent zugleich: Bleib einfach hier hinten und dir wird nichts passieren. Nach 5:00:05 Stunden auf dem Rad wechselte ich in meine Laufschuhe."

 

 

Jetzt mal im Ernst, wie geil, bitteschön, ist das?: Jetzt plötzlich hegt er Hoffnung, die von den anderen zerstört wird. Er will ja alleine fahren!!! Plötzlich!!! Und was ist das mit dem Harakiri? Harakiri bedeutet laut Wikipedia: "die japanische Vulgärbezeichnung für „Bauchschneiden“ und wird oft fälschlicherweise für Seppuku verwendet, die rituelle Selbsttötung in Japan". 

Was bitte hat das Überholen einer Gruppe mit Selbsttötung zu tun?! Weiteres Zitat aus Wikipedia: "Ein Mann, der wegen einer Pflichtverletzung sein Gesicht verloren hatte, konnte durch Seppuku die Ehre seiner Familie wiederherstellen". Heiaiaiii, Lindberg hätte, in diesem Konsenz – der allerdings hier für unangebracht angesehen wird – sogar seine Ehre widerherstellen können, wenn er sich mal getraut hätte, an der Gruppe vorbei zu fahren. Stattdessen verurteilt er die Inkonsequenz des Schiedsrichters. Aber über das Rechtsempfinden des Herrn hatten wir ja schon gesprochen. Hier noch, der Vollständigkeit halber der Rest seines Textes:

 

 

"Dabei stellte ich fest, dass das Niveau in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Nach einem soliden Marathon entlang des Sees und durch die Klagenfurter Innenstadt erreichte ich als Achter in meiner Altersklasse nach 9:29:50 Stunden das Ziel. Somit hatte ich bei einem in meinen Augen perfekt organisierten Wettkampf und vor einem tollen und begeisterungsfähigen Publikum mein Minimalziel erreicht. Aber an diesen Tag wäre auch beim besten Willen nicht mehr drin gewesen. Und deshalb war ich auch nach dem Zieleinlauf hochzufrieden.

Triathlon hat sich verändert, Aber hoffentlich werden sich die sportlich Besseren auch in Zukunft immer noch durchsetzen. Auch wenn das große Starterfeld bei einem Massenstart das Windschattenfahren auf einem Mehrrundenkurs begünstigt, muss niemand Windschatten fahren. Diejenigen, die es trotzdem tun und in einer größeren Gruppe mitrollen, müssen damit rechnen, jederzeit eine Zeitstrafe oder Disqualifikation zu bekommen. Vielleicht ist es sogar richtig, dass, wie in meinem Fall, das Zufallsprinzip zuschlägt. So kann niemand sich sicher sein, dass er nicht als Nächstes herausgeholt wird. In solchen Fallen muss jeder für sich abwägen, welcher Weg der richtige ist. Kette rechts und dem Pulk entfliehen? Beine baumeln lassen und mit sieben Meter Abstand langsam hinter der Gruppe herfahren? Oder mittendrin und das kalkulierte Risiko einer Zeitstrafe eingehen?


Vielleicht gibt es ja auch im Zeitalter vor GPS in Kurze ein effektives elektronisches Sys­tem, das nicht nur die Abstände zum Vordermann, sondern auch die Dauer des Windschattenfahrens registriert.

Für meinen nächsten Triathlon gelobe ich hinsichtlich meiner moralisch nicht astreinen Renntaktik Besserung."

 

 

 

Also irgendwie schafft es der Autor ständig, sich selbst wieder reinzuwaschen. Seine Vorschläge zum Überprüfen der Abstände und so weiter, kann ich nicht mehr ernst nehmen. Würde ihn das wirklich interessieren, so wäre er auch regelkonform – oder noch besser mit 10 Meter Abstand – gefahren. Seine Gedanken zum Zufallsprinzip indes verdeutlichen einmal mehr, dass er sich ungerecht behandelt fühlte. Klar, ich bin auch der Meinung, dass man 30 Fahrer gleichzeitig an den Straßenrand beorden sollte, aber das ist wohl nur ein Traum von mir.

Fakt ist, wer sich so in einem Rennen verhält – dies ja sogar schon fast geplant hat!! – der hat den Triathlon-Sport, wie er sein soll, und wie es die Regeln vorgeben, nicht verstanden. Wer sich aber zudem noch hinreissen lässt, die öffentlich zu schreiben, der sollte sich doch mal langsam an den Kopf packen.

Schlimm finde ich auch die Entwicklung, dass Lindberg, wie viele Athleten anscheinend auch, das Risiko einer Strafe eiskalt einkalkulieren. Sie haben sich anscheinend ausgerechnet, dass – zumindest wenn es nur eine Strafe ist – eine Bestrafung weniger Zeit kostet, als verbotenes Windschattenfahren einbringt. Ach übrigens, meiner Meinung nach – das entspricht aber vielleicht nicht der Regel – hätte Lindberg das Rennen gar nicht zu Ende bringen dürfen. Ich bin kein Schiedsrichter, aber wäre er vielleicht sogar rausgeflogen, wenn der letzte Marshall ihn nicht nur verwarnt, sondern bestraft hätte (Wer mehr weiß, kann dies ja hier mal erklären.)?!

Und noch mehr: Warum druckt das TriTime-Team, und insbesondere Chefredakteur Klaus Arendt, so was ab? Muss ich jetzt, müsst Ihr jetzt, an deren journalistischen Qualitäten zweifeln? Jo, ich glaube, das müssen wir. Aber mehr noch, nicht nur an den journalistischen Qualitäten zweifel ich. Ich zweifel auch daran, dass diese Leute den Triathlonsport so verstehen, wie er sein sollte: Fair!

Und ich gehe noch ein Stück weiter: Kann die DTU, als Hauptorgan und auch Regelgeber (!), es gut finden, diese Sicht der Dinge zu unterstützen? Ich meine nein. Ich zumindest mache es nicht, und fühle mich in diesem Sinne von meinem Verband auch schlecht vertreten. Wenn dieser Artikel keine Erläuterung seitens der zuständigen Heftmacher und der DTU erfährt, dann weiß ich es nicht.

Ich würde mich freuen, zu diesem Thema von Euch zu hören. Gerne hier, oder auch auf Facebook, wo die Diskussionsplattform größer wäre.

 

Abgeregt, und – wie immer – herzlichst, Euer mathias

Zuletzt aktualisiert am 03.09.10
 
Zielstrich 2010 PDF Drucken E-Mail
von Mathias Müller   
18.08.10

Liebe Leute, 

ich weiß, ich bin einen Tag zu spät, aber derzeit steht ein berufliches Projekt dermaßen im Vordergrund, dass Ihr nun einmal etwas warten musstet. 

Als erstes möchte ich mich (wohl auch im Namen Annas) für die vielen Glückwünsche bedanken. Nun ja, wollen wir mal hoffen, dass alles so gut weiter geht, wie bisher, dann werde ich in ein/zwei Jahren Bambini-Trainer. Nein, das ist natürlich nur ein Spaß. Bevor ich mich jedoch mit Euren vielen lieben Kommentaren beschäftige, lassen wir doch mal Maik sein Kopenhagen-Erlebnis Revue passieren: 

"Hallo Mathias,

hier kommt meine Zusammenfassung von der "Challenge Copenhagen". Leider hatte ich nach der Rückkehr aus Kopenhagen nicht sofort Zeit zu schreiben. Das Tagesgeschäft fliegt hier streckenweise mit Schallgeschwindigkeit, aber das ist ein anderes Thema.

Ich fange gleich mit dem Samstag und mit dem Rad-Check-In an. Es kübelte wie aus Eimern, und beim Einchecken in die Wechselzone waren die Startnummernaufkleber am Helm schon völlig aufgeweicht, sodass diese notdürftig mit Panzertape verklebt wurden. Das hilft natürlich nicht viel, wenn sich der Aufkleber am Helm und Wechselbeutel langsam in Einzelteile auflöst. Den vorgesehenen Platz für das Rad zu finden, stellte sich auch als etwas schwieriger heraus. Die Schilder mit den Nummernbereichen befanden sich nämlich auf der gegenüberliegenden Seite vom Check-In und somit aus der Richtung aus der man kam.


Verhältnisse in der Wechselzone
mit Foto-Martin

Dann sollte der Wechselbeutel mit den Radklamotten an den vorgesehenen Haken am Wechselständer aufgehängt werden. Leider hingen die dünnen Nylon-Beutel mit den Radklamotten dann die ganze Nacht ungeschützt im Regen. Toll! Da muss die Organisation unbedingt nachbessern. Zumindest sollten wasserfeste Startnummern ausgegeben werden. Die Nummer welche an Sattelstütze oder Bremskabel verklebt werden sollte, war bei mir schon nach ungefähr einem Kilometer nicht mehr erkennbar. Fazit Check-In: Schlecht organisiert.

Sonntag fiel dann der Startschuss für mich um 7:35 Uhr. Genau wie Mathias reihte ich mich ganz links außen und im hinteren Drittel ein. Das Schwimmen wollte ich ganz ruhig abspulen und das tat ich dann auch. Beim Rechts-Einatmen konnte ich das Feld schön überblicken. Ohne großes Gehaue zog ich so an einer Rotkappe nach der anderen vorbei (Startgruppe, die vor Maik und Mathias ins Wasser gegangen war; Anm. mm).

Irgendwann habe ich dann Füße gefunden die genau meinem Tempo und Rhythmus entsprachen, und so lutschte ich eine ganze Weile im Wasserschatten. Das Schwimmen war total angenehm und entspannt – mit einer Schwimmzeit von 1:04:46 Stunden. Dann also rein in die Wechselzone, Beutel greifen rein in die nassen Radklamotten und ab zum geparkten Fahrrad. Und was dann geschah weiß ich auch nicht. Ich griff das Rad und schob es auf den roten Teppich welcher mich, so dachte ich jedenfalls, aus der Wechselzone führen würde. Dabei hatte ich glatt vergessen den Helm auf zu setzen. Shit! Helm auf. Und dann wies mich ein Helfer darauf hin, dass der Weg aus der Wechselzone ein anderer sei. Leute, sowas ist mir noch nie passiert. Nicht einmal bei meinem allerersten Triathlon! Zu meiner Entlastung möchte ich jedoch anführen, dass der rote Teppich einfach zu einladend und flauschig aussah. Fazit Schwimmen: Für die Athleten super. Für die Zuschauer eher nicht. Es gab zum Beispiel keine richtige Einheizer-Mucke, keine Dixies für die Zuschauer, und es wurde nirgendwo Kaffee oder andere warme Getränke verkauft.

Maik beim Wechsel:

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Egal, ich war ja Athlet und konnte das Schwimmen genießen. Weiter ging es mit Radfahren. Auch hier wollte ich eher ruhig unterwegs sein. Vielleicht war es im Nachhinein mit 5:45 Stunden etwas zu vorsichtig. Eine Zeit von 5:30 Stunden wäre sicherlich auch ohne größeren Aufwand oder Ermüdung möglich gewesen. Aber ich wollte sehen was mein Körper beziehungsweise Magen sagt, wenn ich nicht ganz so stark vorbelastet bin. Die Radstrecke an sich ist streckenweise winkelig und  hügelig. Man glaubt es kaum, aber auch in Kopenhagen gibt es so etwas wie Höhenmeter. Nach zirka 30 bis 40 Kilometern häuften sich dann die Pannen. Ohne zu übertreiben bin ich fast im Minutentakt an von Pannen gebeutelten Athleten am Straßenrand vorbei gefahren. Die nassen und teilweise überfluteten Strassen in Verbindung mit den spitzen Steinchen machte vielen Athleten den Saisonhöhepunkt einfach kaputt. Leider auch Mathias und mir fehlen immer noch die Worte wie leid mir das tut.

Ansonsten hielt sich das Lutschen aus meiner Sicht in Grenzen. Einmal habe ich eine Dreierkombo gesehen und die haben sogar Riegel hin und her gereicht. Aber ansonsten habe ich nicht so viel Gelutsche beobachtet. Da fällt mir noch was ein. Insgesamt habe ich drei kurze Pinkelstopps eingelegt. Das ist ja auch ein Zeichen dafür das ich ausreichend Flüssigkeit getankt habe. Eigentlich wollte ich ja auf dem Rad pinkeln, aber irgendwie wollte das nicht so wie ich es wollte. Außerdem ist meine Radtasche mit u.a. Salztabletten nicht vorne am Oberrohr sondern weiter hinten unter der Sattelspitze befestigt. Dann hätte ich mir doch glatt über die Riegel und Salztabletten gepinkelt! Fazit Radstrecke: Bei trockenem Wetter, mit einem 500 Meter Kopfsteinpflasterstück und einigen winkeligen Passagen eine schöne Radstrecke. Persönlich hätte ich beim Radfahren sicherlich eine kleine Schippe drauflegen können, bin aber letztendlich froh, die Radstrecke pannenfrei überstanden zu haben.

In der zweiten Wechselzone habe ich mein Rad an eine Helferin übergeben und ihr erst einmal erklärt, dsas sich die Startnummer am Rad aufgelöst hat und sie sich meine Nummer jetzt merken müsse. Im Wechselzelt habe ich mir erst einmal die nassen Füße abgetrocknet und mir trockene Socken angezogen. Ich fühlte mich nicht mehr ganz frisch, aber soweit okay, dass ich sicher war, zumindest die erste Hälfte des Marathons in einem guten 4-Stunden-Marathon-Tempo laufen zu können. Die Stimmung war super und die ersten 5 Kilometer lief alles nach Plan.

Plötzlich lief Mathias neben, beziehungsweise hinter mir her. Nur hatte er Jeans und T-Shirt statt Laufklamotten an. Ich dachte ich traue meinen Augen nicht, und musste erstmal begreifen was da passiert war. Nicht schön! Aber der Junge hatte schon wieder ein Bier in der Hand und schien gefasst. Kurz vorm Wendepunkt der Laustrecke bekam ich dann irgendwie einen Heißhunger. Am Verpflegungsstand musste ich feststellen das da nichts Herzhaftes oder Salziges angeboten wurde. Also habe ich mir eine Cola und ein Stück Orange gegönnt. Und ab dem Zeitpunkt wurde der Marathon wieder zu einem Kampf.

Mein Magen zog sich zusammen und die Übelkeit stieg – wie schon so oft – in mir hoch. Ich bin dann nicht weitergegangen oder gejoggt. Ich habe mir zwei oder drei weitere Becher Cola reingekippt und etwas gefuttert. Dann habe ich einfach gewartet bis sich der Magen beruhigt hatte und bin erst dann wieder ein paar Kilometer gelaufen. Dieses "Warte-Prozedere" an den Wendepunkten, von 15 bis 20 Minuten Dauer, habe ich dann jeweils durchgezogen – durchziehen müssen. Und so wird aus einem 4-Stunden-Marathon ganz schnell ein 5:30-Stunden-Marathon, und eine Zielzeit von 12:34 Stunden, statt einer Zeit von 11 Stunden. Fazit Laufstrecke und Ziel: Der Zieleinlauf und die Stimmung auf der Laufstrecke war wirklich spitzenklasse. Die Laufstrecke an sich ist sehr schön, aber wie die Radstrecke streckenweise winkelig und mit einer fiesen Kopfsteinpflasterpassage.

Vielen Dank an alle die uns die Daumen gedrückt haben und an diejenigen die mit in Kopenhagen an der Strecke standen und uns unterstützt und angefeuert haben!

Ich verabschiede mich nun aus diesem Blog, als aktiver Mitschreiber. Das hat riesigen Spaß gemacht und war immer ein Motivationsfaktor. Ich sagte es ja schon im letzten Eintrag. Der Wettkampf Kopenhagen an sich war nur das i-Tüpfelchen. Egal was an dem Tag X passiert. Wichtiger ist doch was man aus der Vorbereitung mitnimmt (oder das man "Eltern" wird ).
Bei mir waren das neue Freundschaften, Erfahrungen und eine Menge Spaß und Freude an diesem Sport. Für die Zukunft gibt es noch viel zu lernen und zu erfahren. Daher wird das lange nicht meine letzte Langdistanz gewesen sein. Vielen Dank, Mathias!

Beste Grüße, Maik"

So sah das alles bei Maik aus. Irgendwie schade, dass er mal wieder von seinen Magenproblemen ausgebremst wurde. Eigentlich wollten wir dieses Problem ja in den Griff bekommen, aber letztlich müssen wir wohl sagen, dass wir es nicht mit aller Konsequenz verfolgt haben. So haben wir zwar den einen oder anderen Tipp von Blog-Leser und Couchpotato-Buch-Experte und Internist Ralf Sievers verfolgt, andere, wie zum Beispiel eine Magenspiegelung und weitergehende Diagnose-Möglichkeiten, jedoch nicht wahrgenommen. Für die Zukunft heißt das, dass wohl alle Register gezogen werden, bevor sich Maik die nächste Langdistanz antut. Und derzeit sieht es so aus, als würde er diese für das Jahr 2012 planen. 

Hier noch die Daten von Maiks Trainingsaufwand im Jahr 2010 von Januar bis zum Renntermin am 15. August in Kopenhagen: 

Schwimmen: 60 Kilometer
Radfahren:    3900 Kilometer
Laufen: 790 Kilometer

Maiks Kommentar hierzu: "Nicht gerade viel, aber mehr ging beruflich und gesundheitlich (Erkältungen etc.) nicht.

Habt Ihr Maiks Wechselvideo gesehen? Leute viel schlechter geht es natürlich nicht. Wir lachen uns beide kaputt darüber. Natürlich auch, weil mein Wechsel auch nicht viel besser war. Und so schieben wir uns gegenseitig die Lacher zu, und wetteifern drum, was dämlicher ist, zur falschen Seite raus zu laufen, oder ständig irgendwo hängen zu bleiben, ohne Helm los zu wollen, oder diesen ständig zu befummeln, und darüber hinaus nicht gleich zu realisieren, dass eine Brille bei dem Wetter Unfug ist. Ihr wisst nicht, was ich meine? Dann seht dieses Video: 

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Ich habe mein Kopenhagen-Erlebnis mittlerweile gut verarbeitet. Beim 9. Langdistanzrennen, darf man auch mal einen Platten haben, und das es hier nun eben gleich zwei waren, nehme ich einfach mal als "dumm gelaufen" hin. Wobei, ich habe vor Tagen eine Mail von den Veranstaltern bekommen, in denen man seine Eindrücke zurück geben sollte. Und tatsächlich muss man festhalten, dass Kopenhagen eigentlich ein tolles Rennen sein könnte. Voraussetzung dafür ist allerdings Trockenheit. Regnet es da oben, dann wird die Sache mit den Flintstones zum Lotteriespiel, wie ja auch der Ausfall des Topfavoriten Martin Jensen gezeigt hat. 


Vor dem Start habe ich Go-the-Distance gehört.
Aber irgendwie hat das diesmal nicht funktioniert.

Ich habe den Organisatoren also auf die Frage, ob ich denn wiederkommen würde geantwortet, "nur, wenn unmittelbar vor dem Rennen eine Kehrmaschine eingesetzt wird."

Apropos: Hier liegt immer noch ein nagelneuer Sailfish-G-Range rum. Irgendjemand Interesse? Und was ist mit der Oakley Half-Jacket, Lance-Armstrong-Special-Edition. Kommt, irgend einen Armstrong-Fan wird es doch geben. 

 

Nach einer Woche Sportabstinenz – und Popo-Platt-Sitzen am Schreibtisch – war ich dann am vergangenen Wochenende am Nürburgring, zum 24-Stunden-Rennen, welches ich mit meiner Schwägerin Petra, und meinen Brüdern Stefan und Jörg, im Viererteam absolvieren wollte. "Die grüne Hölle", so wird der Nürburgring schon seit Jahrzehnten genannt, und ich kann Euch sagen, zumindest meine Beine – und wahrscheinlich auch die der anderen Teilnehmer – würden diese Beschreibung unterschreiben. 

Es ist indes nicht nur der insgesamt fünf Kilometer lange Anstieg auf die Hohe Acht, der einem im oberen Teil mit 17 Prozent Steigung den Saft aus den Beinen und die Luft aus den Lungen zieht, vielmehr ist die Strecke ein absoluter Rhythmusbrecher. Niemals findest Du irgendwo einen gleichmäßigen Tritt, immer geht es irgendwo wieder rauf oder runter, links oder rechts um die Ecke. Wenn überhaupt, dann kann man es nach der Hohen Acht ein wenig gehen lassen, zumindest kommt dieser Teil der Strecke Triathleten entgegen, die es gewöhnt sind, allein im Wind zu drücken. Da fällt mir übrigens gerade die Situation ein, die ich in meiner zweiten Runde erlebte, als ich die lange Gerade namens "Döttinger Höhe" (weil sie eben über eine Länge von rund 3 Kilometern stetig ansteigt) erreichte, und von nun an, Hände im Unterlenker, nur noch überholte. Kurz bevor es dann richtig hoch ging, hinter mir mittlerweile 30 Fahrer, kam einer an mir vorbei, und meinte "komm, abwechseln". Hallo?! Nach 2,5 Kilometern im Wind, und Zugmaschinenspiel für 30 Leute, kommt er vorbei uns sagt "abwechseln"?! Nur um 100 Meter später die Führung wieder abzugeben? Ich glaubte zu träumen. 

Nun ja. Wie auch immer, das Rennen war ein tolles Erlebnis, und ich kann es nur jedem empfehlen. Natürlich hatten wir auch wahnsinniges Glück mit dem Wetter. Wie das Fahrerlager an einem vergleichbaren Wochenende mit Regen aussieht, und wie sich dann die Strecke fahren lässt, das möchte ich mir gar nicht vorstellen. Bei uns war nur Sonne, und selbst in der Nacht konnte man Kurz-Kurz fahren. 

Wie so ein Rennen funktioniert? Wir waren als Viererteam (Nr: 2264, Mueller-Lommel) gemeldet (es gibt auch 8er und 2er Teams, und Einzelfahrer!). Wer wie viele Runden innerhalb eines Teams dreht, und in welchen Rhythmus, dass bleibt jeder Mannschaft selbst überlassen. Wir hätten zum Beispiel sagen können, dass Jörg und ich mehr Runden machen als Stefan und Petra, weil wir einfach schneller sind. Aber das sollte ja ein schönes Familien-Erlebnis werden, und das wir davon ausgehen, dass jeder so schnell fährt, wie er eben kann, war klar, dass wir alle jeweils sechs Runden drehen würden – egal welches Gesamtergebnis dabei rausspringen würde. Außerdem entschlossen wir uns, immer nur eine Runde zu fahren, und nur während der Nacht auf 2er Rhythmus umzustellen, damit ausreichend Zeit zum Schlafen bliebe. 


Freund Roland, der beim Freien-Fahren, gerade seine 4te Runde drehte, 
habe ich kurz vor der "Döttinger Höhe" überholt. Tolles, überraschendes, Treffen.

Man könnte jetzt denken: 6 mal knapp 26 Kilometer, das sind doch nur 155 Kilometer, das ist doch nix. Allerdings sind in diesen 155 Kilometern gut 3000 Höhenmeter enthalten, und das auf recht knackige Art und Weise (siehe oben). Aber vor allen Dingen: Seid Ihr schon mal ein 25-Kilometer-Zeitfahren im Sabbermodus gefahren – etwa in einem Sprinttriahtlon, oder sogar in einem echten Zeitfahren? Gut. Aber seid ihr das auch schon sechsmal innerhalb von 24 Stunden gefahren? Mit 3000 Höhenmetern? Und zwei Runden im Stockfinstern? Sisste, so langsam dämmert es! Das war eine irre Plackerei. Denn ich – und viele andere eben auch – bin immer absolut Anschlag gefahren. Und nach der vierten Runde hörte der Spaß echt auf! 

Interessant war übrigens der Abschnitt "Fuchsröhre". Hier kann man mit 100 Sachen runter ballern! Unglaublich. Ich allerdings musste bei 87 die (Not-)Bremse ziehen, weil mein Rad anfing zu flattern. Und nachdem ein Mitfahrer zu mir meinte, das hätte eben wirklich gefährlich ausgesehen, habe ich mich dazu entschlossen, die 80 nicht mehr auf dem Tacho erscheinen zu lassen. Sicher geht vor, und die paar Sekunden machen den Braten nicht fett. Es gab allerdings wirklich viele Fahrer, die 100 oder gar 101 Stundenkilometer an diesem Streckenabschnitt gefahren sind. Ich muss da nun mal Ursachenforschung betreiben. Anscheinend ist mein Basso für derlei Dinge nicht ausgelegt. Das fuchst mich natürlich, wäre ich doch auch gerne mal hundert gefahren. Naja, egal. 


"Nur" 87 km/h - mehr war nicht drin. Schade.

Wunderschön waren übrigens die zwei Runden in der Nacht. Wie schon erwähnt, fuhren wie diese am Stück also 50 Kilometer drücken bis die Nacht vergeht. Und tatsächlich waren dies, so glaube ich, meine stärksten Runden. Zwar waren sie 4 Minuten langsamer als meine Schnellste (erste, noch frische), aber allein in den bergab Passagen lässt man im Dusteren natürlich mächtig liegen, und so waren die zwei 52er Runden wirklich okay. Zum Vergleich, meine letzte Runde am späten Vormittag, war auch nur noch 52:22 Minuten – wenngleich zu diesem Zeitpunkt mächtig Wind aufgekommen war, der mir das letzte bißchen Luft raus saugte. 

Kurz und gut: Ein tolles Erlebnis! Absolut empfehlenswert! Wer keine 3 oder 7 Teamgefährten findet, kann auch an den Rennen über 75, 100 und 150 Kilometer teilnehmen, oder aber am Sonntag Morgen, gegen eine Gebühr von rund 25 Euro, einfach so viel und so schnell fahren, wie es ihm beliebt. 

  

So, jetzt zu den Kommentaren: Zuerst Ida, – ich glaub mich tritt ein Pferd. Habe lange Zeit oft an Dich gedacht, und mich gefragt, wie es Dir geht. Und nun fällst Du mir hier vor allen Leuten in den Rücken?! Ich und disziplinlos, nicht ehrgeizig? Hallo, ich weiß doch genau, wie gerne und viel ich mit Dir und Matthias zusammen gearbeitet habe! Also, wehe Du schreibst mir nicht bald eine Mail. 

Tja, so holt einen die Vergangenheit (das dürften so ungefähr 22 Jahre sein) ein. Jetzt aber zu allen anderen: 
Es gibt hier eine eindeutige Tendenz, dass der Blog weiter geführt werden soll. Das ehrt mich sehr. Danke! Cool auch der Gedanke, dass ich noch einmal ein paar von Euch zum ersten Ironman begleite. Sicherlich wäre das wohl die beste Sache. Allerdings: Wenn Ihr das alles hier sei mindestens 2008 verfolgt, dann könnt Ihr Euch eventuell vorstellen, wie anstrengend so etwas ist. Im Ernst, in den acht Monaten, in denen ich Anna, Dirk, Martin und Thomas beim Lanzarote-Projekt beistand, hatte ich kein eigenes Leben mehr, also keine Zeit mehr nur für mich. Und ich habe damals schon gesagt, ich so etwas niemals mehr machen würde, es sei denn, mir würde jemand viel Geld dafür geben. Offen und ehrlich. 

Das bedeutet nun erstens, dass dies niemand machen wird. Es bedeutet aber auch, dass ich so was wenn nur richtig mache. Ein paar Trainingspläne schreiben (womöglich noch für 10 Leute die gleichen – wie viele Trainer das machen), und sich ansonsten nicht wirklich kümmern, oder aber die Athleten einfach so viel trainieren zu lassen, dass sie es entweder schaffen, oder hops gehen (wie es ebenfalls viele Trainer machen – und dafür Geld kassieren), das ist meine Sache nicht. Und so beschränke ich mich am besten darauf, einfach mein Ding zu machen, und zu versuchen, Euch – wie bisher – die wichtigsten Dinge dieses schönen Sports, einfach auf diesem Wege nahe zu bringen. Wer hier aufmerksam liest, der lernt eine Menge – nicht zuletzt auch aus meinen Fehlern (siehe nur ein Ersatzreifen in Kopenhagen, grrr). Diesen Service kann ich kostenlos liefern, obwohl er mir manchmal recht viel Mühe macht. Denn das Bloggen hier, zumal wenn man Fremdtexte und Fotos einpflegen muss, war manchmal sehr zeitraubend. 

Und wer weiß, wieviel ich davon demnächst noch habe. Ha, da fällt mir ein: Du weißt, dass Du Vater wirst, wenn Du Dich in einem Radladen nicht mehr nach Karbon-Zeitfahrrädern umschaust, sondern nach Babyjoggern! Oje. Also so ein Teil brauche ich auf jeden Fall! Oder noch besser, diese Kombination aus Babyjogger und Radanhänger. Hat nicht zufällig jemand von Euch übrig? 

Also mal ein vorsichtiger Blick in die Zukunft. Natürlich möchte ich weiterhin sporteln. Und ehrlich gesagt habe ich große Lust, mich wieder für ein Langstreckenrennen anzumelden. Allein schon, weil ich ohne Ziel – Ida jetzt weghören – wirklich ein wenig faul bin. Was natürlich letztlich darauf wird – mit frischem Nachwuchs – das steht in den Sternen. Marc's Idee, einfach drauf los zu trainieren, und ggf. den Ostseeman, ganz in der Nähe, zu bestreiten, hat was. Allerdings zieht es mich eher Richtung Regensburg. Ich muss da noch ein paar Tage drüber nachdenken. 

Wahrscheinlich werde ich auch weiter bloggen, zumal ich weiß, dass Volker "Peppi" Peppinghaus nach Jahren jetzt auch hierher gefunden hat. Volker regelt in Hückeswagen, den gesamten Anmeldekram des Triathlons. Das scheint Euch vielleicht nicht zu interessieren, sollte es aber. Peppi ist nämlich vor 15 Jahren bei einem Motocross-Unfall so schwer verunglückt, dass er seit dem im Rollstuhl sitzt, und jegliche Kommunikation nur noch mittels Mundsteuerung abwickeln kann. Und für den ATV Hückeswagen, opfert er nun schon seit Jahren seine Zeit, um die Online-Anmeldungen zu bearbeiten. Von ihm bekam ich vor ein paar Tagen eine total liebe E-Mail: 

"Hi Mathias ,
keine Ahnung warum ich erst jetzt auf deinen Blog gestoßen bin.
Aber so wie es vielen Leuten mit dem Sport geht, die mit Sport überhaupt nichts am Hut haben, so geht es mir mit dem Lesen.
Wenn ich lange Texte oder etwa ein Buch habe, finde ich immer eine Ausrede mir selbst gegenüber, um etwas anderes zu machen .
Liegt aber in der Familie .
Du glaubst es wahrscheinlich nicht, aber in den 15 Jahren, die ich jetzt im Rollstuhl sitze, habe ich genau 4 Bücher gelesen.
Lance Armstrong, Christopher Reeve, eins von einem Bergsteiger, der bei seinem letzten Trip gerade so überlebt hat,
und dein "17 Stunden zum Ruhm" natürlich.
Und bei deinem, ist es mir so, wie den meisten wahrscheinlich ergangen, daß sie gar nicht aufhören konnten zu lesen, was sowohl am Inhalt als auch an deiner netten Schreibweise liegt . 
So einen Effekt gibt es bei mir aber nur alle 15 Jahre einmal. ;)

So, dann wünsche ich euch alles Gute, und sag bis spätestens zum nächsten Hückeswagener Triathlon .
Liebe Grüße, 
Volker"

 

Naja, das hat mich dann doch ein wenig umgehauen. Und mir auch gesagt, dass ich wohl weiter schreiben muss. Denn wenn man einen Leser wie Peppi hat, dann darf man nicht einfach so aufhören. Weil mir derzeit der Stoff für ein weiteres Buch fehlt, muss ich also bloggen. Ich hoffe, das reicht ihm. Viele Grüße nach Hückeswagen. Ach ja, wer Peppi, und Hückeswagen, mal kennenlernen möchte, der melde sich doch einfach bei ihm an. Hückeswagen – vorausgesetzt, es scheint die Sonne – ist nicht nur mit der älteste Triathlon in Europa (1982!), sondern auch einer der schönsten in Deutschland. So, das musste mal wieder gesagt werden. (Distanzen: Sprint/Jedermann und Mittel). 

Stellt sich nur noch die Frage, wie es weiter geht? Ich werde mir nun wohl erst einmal eine Auszeit nehmen, das kennt Ihr ja schon von den vergangenen Jahren. Ich denke so an drei Monate. Anfang Dezember würde ich dann wohl wieder loslegen. Wie auch immer, wenn irgendwas geht, dann werdet Ihr es hier erfahren. Am besten Ihr macht Euch einen RSS-Feed, und fertig. Wie genau es dann läuft, dass sehen wir dann. Es könnte gut sein, dass ich die Seite hier wieder etwas entschlacke, weil es (mit Heldenseite und so) einfach zu viel ist. Aber auch das werden wir dann sehen. Bis dahin könnt Ihr über meine Aktionen auf Facebook auf dem Laufenden bleiben, wo ich mich immer mal wieder melde. 

Wer ansonsten irgendwas loswerden möchte, kann das weiterhin hier im Kommentar-Bereich machen, oder aber eben über Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

Für die Zwischenzeit wünsche ich Euch allen Glück, Betti, Uwe (ein Jedermann ist auch ein Triathlet!), Tim (alter/junger Kämpfer), Enka (Kiwi-Calling), Fabian, Ralf, Nina und Toby (also da muss mal was zusammen laufen), Karina, Andreas, Marcus (14 Tage sind fast zuwenig, oder?!), Marc (lass mal mit Martin treffen), Silvio (Kanone aus der Heimat), Thomas (wie gesagt, gute Idee, aber das schafe ich einfach nicht), Chrifa, Christian, Nadine (mit Hellseher-Fähigkeiten?!), Dieter (ich bin doch entspannt),  Hobbit, Peppi (klar!), Norman (danke für die Institution), Thorsten (klar nehme ich mir Zeit für mein Kind), Frank (weniger ist mehr!), Gini (Sport mit Nachwuchs, das könnte ein Thema sein), Ida (grrr), die Essings, die Eggers, das Pa'a-Team (stetig wachsend), Facki, Benito Serpentini, Heiko, Dorian, Ricarda und Michael, Andrea, Kathrin und den Müller-Clan, Maldini, Fabian, Matthias, Fürst-Rainer, und die vielen anderen, die gerade in diesem Moment hier nicht genannt werden, aber immer dabei waren. 

Es hat mir viel Spaß bereitet, für Euch schreiben zu können, auch wenn ich leider gegen Ende kein Renn-Glücksgefühl vermitteln konnte. Aber tatsächlich ist mir, in diesem Jahr mehr denn je, klar, dass der Weg das Ziel ist. Ich bin – trotz einiger Rückenprobleme – derzeit sau-fit, um nicht zu sagen, ich habe einen mächtigen Wumms. Und es kommt der Zeit, an dem ich ihn wieder ins Ziel trage. Ich habe Anna eh schon gesagt/gedroht, dass ich nicht eher mit Ironman aufhöre, bis mein Kind es bewusst wahrnehmen wird, dass Papa ins Ziel läuft. Und ich bin mir so gut wie sicher, dass es noch einmal – irgendwann – Hawaii sein wird. 

In diesem Sinne. Auf Bald. Wir sehen uns wieder! 

Pa'a

mathias

 

Zuletzt aktualisiert am 25.08.10
 
Platt, platter, Ende PDF Drucken E-Mail
von Mathias Müller   
17.08.10

Liebe Leute, 

was war das? Diese Frage stellt nicht nur Ihr Euch, sondern ich stelle mir sie auch. Immer noch weiß ich nicht genau, wie ich mit dem Erlebnis Kopenhagen umgehen soll. Tatsächlich hatte alles recht viel versprechend begonnen, aber dann – schneller als man es selbst begreift – ist schon alles vorbei. 

Zuerst einmal möchte ich mich ganz kurz bei allen bedanken, die mir und Maik die Daumen gedrückt haben. Und leider tut es mir leid, dass es nicht wirklich was genutzt hat. Womit ich nicht sagen will, dass Ihr nicht doll genug gedrückt habt. Ach, Ihr versteht schon, was ich meine. Ich weiß nicht, wann Maik seine Sicht der Dinge hier niederschreiben kann/wird. Insofern werde ich mich zum größten Teil auf meine – viel zu kurzen und zu wenigen – Erlebnisse konzentrieren. Am besten ich springe mitten rein. 

Beim Rad-Check-in am Vortag des Rennens, war ich Kopenhagen Land unter, was Ihr vielleicht sogar in der deutschen Tagesschau mitbekommen habt. Es war also davon auszugehen, dass alle Wechselklamotten am nächsten Tag nass wären, was nicht wirklich wichtig ist, kommt man doch eh aus dem Wasser – also was soll es. Nicht so toll fanden es aber bestimmt einige Athleten, dass Ihr Räder am Wettkampfmorgen auf der überfluteten Wiese lagen. Die Wassermassen hatten den Boden so sehr aufgeweicht, dass ganze Ständer, beladen mit vielen Rädern, umgekippt waren. Auch ein Teil der großen Plastikpersenninge, welche die Räder vorm brachialen Regen schützen sollten, waren weggeweht. 

Nun ja, mir war das alles irgendwie egal. Wie gesagt, nass würde man eh werden, und ab dafür. Nicht egal war, dass es auch am Wettkampfmorgen noch regnete. Mein alter Freund – und heutiger dänischer Nationaltrainer – Michael Krüger, hatte mich gewarnt, dass die Flintstones, sehr spitze, tückische Steine, bei Regen zu jeder Menge Pannen führen würden, und das machte mir doch einige Kopfschmerzen. Nun ja, irgendwann war es so weit, der Start rückte näher. 

Keine Ahnung warum (doch eine Ahnung habe ich -> später mehr), aber ich war die Ruhe selbst. Und als der Startschuss fiel, bin ich mit viel Ruhe ganz links ins Wasser, sodass ich das gesamte Feld der "Blaukappen" beim Atmen, rechts neben mir, sehen konnte. Was soll ich sagen, ich glaube, mir hat noch nie ein Schwimmen so viel Spaß gemacht. Ich merkte, ich war nicht besonders schnell, aber dafür total ruhig und kontrolliert. Und kurz bevor ich aus dem Wasser kam, dachte ich, ich könnte noch zwei Kilometer mit diesem Tempo weiter schwimmen. Ähem, heute weiß ich warum ich mich so fühlte: Weil ich mit 1:06:08 Stunden ziemlich lahm unterwegs war. Und da ist es dann auch kein Wunder, dass man ein solches Tempo länger durchhalten würde. Heute weiß ich übrigens auch, dass Maik mit 1:04:43 Stunden (einen Start hinter mir), deutlich schneller war als ich. Hm, noch zwei Tage zuvor beim Probeschwimmen, hatte ich sein Tempo auch drauf. Egal. 

Also völlig zufrieden aus dem Wasser, – beziehungsweise, wieder rein ins Wasser, denn es regnete immer noch, jetzt sogar stärker. Als ich aufs Rad bin, dachte ich, dass dieser Tag, wenn das Wetter so bliebe, das härteste werden würde, was ich bisher gemacht habe. Das war mir jedoch sogar recht, denn die Vorbereitung war ja auch ein Kampf, und so konnte es meinetwegen ruhig weiter gehen. Ich meine, es gibt genug Athleten, die bei schlechtem Wetter meinen, man könne nicht schnell sein. Ich saß hingegen auf meinem Rad und dachte mir so was wie "nur die Harten kommen in den Garten", oder so. 

Lange Rede kurzer Sinn, es ging entlang der Küstenstraße nach Norden, der Wind wehte leicht von vorn, und ich habe überholt, überholt, und überholt. Mein Tacho hatte wegen des Regens seinen Dienst schon vor dem Start versagt, und so habe ich einfach getreten, was ich konnte. Schon bald fiel mir auf, dass Michael Recht behalten hatte: Ich habe noch nie in meinem Leben, in einem Rennen so viele Athleten mit Defekt am Straßenrand stehen sehen – während ich vorbei rauschte. 

Plötzlich ein Gruß: "Hallo Mathias". Oh, Hamburger Kumpel Frank Roeger. Kurz fragte ich mich, ob er jetzt auf mich aufgefahren sei, aber Frank verneinte, und meinte, ich selbst hätte ihn soeben überholt. Er wollte also quasi nur grüßen – sehr nett!! Für so was bin ich immer zu haben. Kurz darauf war Frank nicht mehr zu sehen. Oh ja, ich drehe mich auch während eines Rennens um, möchte wissen, was hinter mir los ist, ob jemand, den ich überholt habe, mithalten kann, oder nicht, oder überhaupt. Frank war jedenfalls weg, was mir – nur bezogen auf meine Leistung – ein gutes Gefühl vermittelte. Wenn man schon keinen Tacho hat! 

Dann kam die Stelle, wo die Straße bis auf einen Meter Breite komplett unter Wasser stand, und kurz darauf fuhr ich auf eine Gruppe von 8 Aerohelm-Trägern mit platt geschlagenen Rahmen und allem Drum-und-Dran auf. Ehrlich gesagt, ich verstehe diese Mentalität nicht. Die fahren total akkurat – durchaus mit 10 Meter Abstand – hintereinander her, und keiner macht den Versuch, den anderen, oder gleich alle anderen zu überholen. Die richten sich da ein, und fahren mit. Nun ja, Michael hat mir gesagt, dass dies mit Blick auf das Gesamtergebnis sicherlich eine gute Taktik sei. Ich allerdings ticke da irgendwie anders. "Vorbei, vorbei", denke ich immer. Ich will versuchen was geht, will alle nach vorne, immer weiter nach vorne. "Die Kurve noch, und dann versuche ich es, dann drücke ich an der ganzen Kombo vorbei" – so, oder so ähnlich, schossen mir die Gedanken durch den Kopf, bevor es einen Knall machte, und mein Vorderreifen binnen Sekunden zusammensackte. 

Ich sagte ja schon, dass ich irgendwie sehr ruhig drauf war, und so hielt ich an, riss den Schlauch(Klebe-)reifen von der Vorderfelge und hievte den Ersatzreifen drauf. Das alles ging schneller, als ich es selbst gedacht hatte. Zack, Pumpe aufs Ventil, kurze, schnelle Hübe, und voll war das Ding. Ich wollte mich gerade aufs Rad setzen und die verlorenen Plätze wieder gut machen – Frank war auch zwischenzeitlich wieder vorbei – als ich bemerkte, dass mein Hinterrad von demselben Stein dahin gemetzelt worden war. Und das war es dann auch schon. Ich hatte keinen weiteren Ersatzreifen dabei. 

Mit dem Handy eines am Straßenrand stehenden Handwerkers rief ich Anna und die beiden Martins an, die bei Kilometer 70 (oder so) auf mich warteten. Ich sagte, ich würde Ihnen entgegen gehen, und sie sollten bleiben, wo sie seien. Im Anschluss an dieses Gespräch wanderte ich eine Stunde lang auf Radschuhen an der Strecke entlang, mein Fahrrad schiebend. Zwischendurch trug ich mein Basso auch einmal 100 Meter durch einen Wald, weil dahinter eine Schnellstraße verlief. Aber dort angekommen, realisierte ich, dass ich Anna und die Jungs ja niemals hierher lotsen könnte, und so trug ich das Rad wieder durchs Unterholz zurück auf die Strecke. Wie gesagt, nach einer Stunde konnte ich wieder ein Handy von einem Streckenposten leihen, und dann sagte mir Anna, dass ich noch viel zu weit weg sei, und dass sie mich abholen würden. Und weitere eineinhalb Stunden später waren sie bei mir. Die Jungs hatten sogar meine Trainingslaufräder aus dem Hotel geholt, für den Fall, dass ich weiter machen wollte. Aber – mit Verlaub – nach einer Stunde Radschuhe-Marsch und insgesamt zweieinhalb Stunden, die ich nicht mehr auf dem Rad saß, war ich dermaßen müde und weit weg von allem Rennadrenalin, dass ich verneinte. 

Kommen wir zur Analyse. Mit 53:03 Minuten beim ersten Radsplitt (Kilometer 33), war ich recht schnell unterwegs (37,32 Schnitt), und auch die Kilometer danach habe ich nur überholt, was mir sagt, dass ich weiterhin zügig fuhr. Vor diesem Hintergrund war es schade, dass das Rennen so endete. 

Selbstkritisch muss ich jedoch sagen, dass ich mir auch ein wenig ärgere. Noch einen Tag vor dem Rennen hatte ich auf der Messe einen zweiten Ersatzreifen kaufen wollen. Die Fachmänner am Radstand (Jana, was war das für eine Firma?) meinten jedoch, mit einem Ersatzreifen und zwei Notfall-Sprays sei ich bestens gerüstet, und so ließ ich den Reifen am Stand liegen. Dies ist kein Vorwurf an die Jungs vom Stand, sondern vielmehr an mich. Warum lasse ich mich von ihnen bequatschen? Ich hatte einen Plan. Und hätte ich den eingehalten, dann wäre ich zwar keine besonders tolle Radzeit gefahren, aber ziemlich schnell (ich spreche von deutlich unter 5:15 – vorausgesetzt bei den zwei Platten wäre es geblieben) hätte es weiterhin werden können. Also liebe Leute, hier gibt es mal wieder was zu lernen: Immer auf Nummer sicher. Für einen Reifen mehr gibt es immer irgendwo einen Platz, zumal wenn man wie ich konservativ, heißt, mit Radtrikot unterwegs ist. Und noch etwas: Nicht einfach auf Leute hören, bloß weil sie hinterm Tresen eines Radladen hantieren. 

Als Gegenbeispiel – Achtung hier gibt es wieder was zu lernen – möchte ich auf meinen Freund Michael hinweisen. Nicht nur, dass er mir zu mehr Sicherheit geraten hatte, er selbst ist mit Radhandschuhen gefahren. Total antiquiert könnte man meinen. Nix da. Wir früher üblich – und auch von mir tausendmal praktiziert – hat er seine Hand mit Handschuh alle paar Minuten auf den rollenden Reifen gelegt, um zu verhindern, dass sich die vielen kleinen Flintstones in seinen Reifen festsetzen, und ihn irgendwann durchstechen. So wird gemacht! Extra Verhältnisse benötigen extra Maßnahmen! Michael, 42 Jahre alt, hat das Ding übrigens nach 8:28 Stunden beendet – und damit meine ich nicht den Radkurs!  

Nun sitze ich übrigens hier, und habe eben bei der Recherche der Resultate eine uralt-Ergebnisliste aus Roth (1998) entdeckt. Auf die bin ich immer noch ein wenig stolz, wenngleich ich mir dafür nix kaufen kann. Interesse? Guckst Du hier. (zweite Seite)

Juut, mehr Analyse: Das Rennen. Ich glaube, dass mir die Strecke ansonsten sehr gelegen hätte. Das Schwimmen war großer Spaß und auch für Angsthasen eine sichere Sache, weil die Lagune flach ist, und es nur minimale Strömung und keine Wellen gibt. Der Radkurs ist landschaftlich wunderbar. Zuerst an der Küste entlang, dann durchs hügelige, immens kurvenreiche Hinterland (ich wusste gar nicht, dass es so was in Dänemark gibt), tja, und den Rest der Strecke habe ich ja leider nicht gesehen. 

Die Laufstrecke ist, so glaube ich, recht schön. Maik meinte, es sei sehr winkelig gewesen, tatsächlich glaube ich jedoch, dass es bei unserem Tempo nicht ganz so stark ins Gewicht fällt. Dabei sind wir jedoch schon bei den Kritikpunkten angelangt. Der Auftakt der Radstrecke ist total unruhig, verwinkelt, bei starkem Regen regelrecht gefährlich. An einem Punkt hat sich ein Hintermann von mir sogar verfahren, weil kein Streckenpunkt dort stand. Die Radstrecke war – Schmutz-technisch – in katastrophalem Zustand. Wenn man um die örtlichen Probleme mit den Flintstones bescheid weiß, dann muss (!) man kurz vor dem Rennen mit einer Kehrmaschine über den Kurs fahren. Ehrlich gesagt, verlange ich das als Athlet sogar. Mal im Ernst, der ganze Tripp hat locker 1000 Euro gekostet, und der Ersatz für die kaputten Schlauchreifen kommt auch noch oben drauf. Wofür? Dafür, dass ich bis Kilometer 60 dabei sein durfte? Wie gesagt, platte Reifen wird es immer geben, aber das hier war absolut fahrlässig vom Veranstalter in Kauf genommen. Michael sagt zwar, dass man die kleinen spitzen Steinchen gar nicht aus dem groben Asphalt Dänemarks raus kehren kann, aber da war insgesamt so dermaßen viel Dreck auf der Straße – das hätte einfach nicht sein dürfen. Und so dickes Ding, wie es mich erwischt hat, gehörte dort definitiv auch nicht hin. Übrigens, Kumpel Frank hat das Ende der Radstrecke auch nicht gesehen! Und viele andere auch nicht. 

Noch etwas. Während ich in Kalebro (?) stand und auf meinen Abholservice wartete, kamen irgendwann die allerletzten des Feldes durch. Dann gab es mal 10 Minuten, wo nix passierte. Wo bitte war da eine Art Besenwagen? Wenn Anna und die Jungs mich dort in der Pampa nicht abgeholt hätten, dann stünde ich dort heute noch! Versteh ich einfach nicht!!

Ein Besenwagen wäre also eine dringende Forderung von mir. Und ehrlich gesagt, müssen die – eben wegen der Steineproblematik bei Regenwetter – auch alle 10 Kilometer einen technischen Support bereitstellen. Wie gesagt, ich will gar nicht wissen, wer sich an diesem Tag alles eine Blase in den Radschuhen geholt hat. 

Ansonsten ist mir zu Ohren gekommen, dass es zu wenig Dixi-Klos gab, und noch einige andere Kleinigkeiten. Was also sagen, wenn mich einer Nach der Langdistanz in Kopenhagen fragt?: Eigentlich eine tolle Sache. Und mal ehrlich, eine solche Veranstaltung in einer so großen und übrigens wunderschönen Stadt zu machen, dass ist nicht ganz leicht, um nicht zu sagen, sehr schwer! Denn Kopenhagen hat nicht so viele Möglichkeiten der Umleitungen, wie zum Beispiel Frankfurt. Dennoch, die Organisatoren müssen sich reinhängen. Dem Problem der kleinen Steine müssen sie mit besonderen Mitteln entgegentreten. Ansonsten ist das Rennen – bei Regen – eine Lotterie, und für Normalo-Hobby-Sportler wie mich, ein viel zu großes finanzielles Risiko. Naja, und der bis dahin führende Topfavorit Ende der Durchsage. 

Zu einem anderen Thema: Als ich bemerkte, dass mein hinterer Reifen auch platt war, und somit das Rennen für mich zu einem Ende gekommen war, da war ich, wie schon vor dem Start, sehr ruhig. Früher hätte ich mich aufgeregt. Aber dieses Mal dachte ich nur "Na und? Anna und ich werden dennoch im Dezember Eltern!" Und so schob ich mein Rad fast eine Stunde gut gelaunt vor mir her. 

Ich habe das hier nie erwähnt (denn einige Dinge muss man ja nicht sofort in die Welt posaunen – auch eine Plaudertasche wie ich nicht), aber das ist auch der Grund gewesen, warum Maik und ich von Wisconsin auf Kopenhagen gewechselt sind. Anna hätte aus anderen Gründen nicht mit nach Wisconsin gekonnt, und ich wollte nicht in den USA sein, wenn sie, hochschwanger, alleine hier ist. Juut, hätten wir das Thema auch besprochen , und dann kann es ja weiter gehen. Der Ausdauer-Nachwuchs sitzt jedenfalls in den Startlöchern, und in spätestens 16/17 Jahren wird meine Pa'a-Challenge-Bestzeit auf dem Deich, bestimmt Familien-intern pulverisiert. 

Gut, wie geht es weiter? Ihr Lieben, ich weiß es nicht. Ich werde hier noch ein/zwei Wochen schreiben, aber dann geht es, wie in jedem Jahr, in eine kleine Blog-Pause. Wobei ich mich auch frage, ob diese Pause länger wird, oder sogar andauernd. Sollte ich weiter schreiben, so weiß ich auch nicht, in welchem Rahmen. Ich frage mich zum Beispiel, ob es besser ist, eine feste Verabredung (wie bisher, an einem bestimmten Tag) einzuhalten, oder einfach sporadisch, was wiederum bedeuten würde, dass Ihr entweder einen Feed einschalten müsst, oder einfach öfter gucken. Hm, ich sage mal so. Hier tauchen immer wieder und immer mehr "stille Leser" auf, und außerdem gibt es diejenigen, die sich auch regelmäßig immer mal wieder melden. Vielleicht sollten sich nun alle einmal (und auch nur kurz) aufraffen, und eine Rückmeldung geben. mein Freund Roland – ein Internet-Medien-Profi – sagt immer, dass User in der Mehrzahl nur konsumieren, nur selten kommentieren, nur sehr ungern aber aktiv mitmachen möchten. Gut, damit kann jeder leben. Aber dieser Blog ist kostenlos, und man kann nicht sagen, dass ich Euch zwinge, ständig zu kommentieren. Nun aber ist es an der Zeit, Rückmeldung zu geben. Denn zum Beispiel in der Frage der Frequenz (siehe oben) bin ich – für den Fall, dass es hier weiter geht – total unentschieden. 

Also rührt Euch – wie gesagt, nur kur und meinetwegen auch nur einmal. 

Für mich wäre das eine gute Entscheidungshilfe auf dem Weg in die Zukunft. Die sieht natürlich eh etwas anders aus. Kann ich mit Nachwuchs überhaupt noch trainieren? Wenn ja wie viel? Reicht es für eine Langdistanz? 

Oder gibt es Leute, die mit mir in ein neues Projekt eintreten? Wenn ja, in welchem Rahmen? Auf welcher Basis? Mit welchen Zielen? 

Allet nich so einfach. 

Gut, wahrscheinlich habe ich wieder tausend Gedanken vergessen, nieder zu schreiben. Aber für heute Abend muss es das sein. Ehrlich gesagt bin ich müde, wenn es auch am Sonntag nur eine 2,5 Stunden lange "harte Einheit" war. 

Obwohl, eins fällt mir noch ein. Michael, wie gesagt Nationaltrainer in Dänemark, hatte Anna und mich am Montag nachmittag zum Sommer-Grillfest des Nationalkaders eingeladen. Schon ein komisches Gefühl, mit all den Granaten an einem Tisch zu sitzen. Und auch interessant. Dressing für den Salat? Fehlanzeige! Zu viel Fett. Und zuerst dachte ich auch, das ganze Bier im großen Kühlschrank, müsste ich alleine trinken, aber dann hat der eine oder andere doch eine (!) kleine Flasche gesüffelt. 

Noch beindruckender war dann heute Morgen, mein Wiedersehen mit den Athleten in der Schwimmhalle des Leistungszentrums in Farum. Zuerst habe ich mich geschämt. Die haben bestimmt alle gedacht, dass ich eine dicke Qualle bin – und das, obwohl ich derzeit ganz gut trainiert bin. Aber deren Körper sehen irgendwie ziemlich anders aus. Dann wurde ich auf die Bahn der drei Frauen geschickt. Michael wollte/sollte mal auf meine Technik schauen, damit ich irgendwann nicht mehr 1:06 Stunden für die 3,8 Kilometer benötige. (übrigens musste ich beim Studium der 1998er-Ergebnisliste mit Erschrecken feststellen, dass ich schon mal 1:01 schwimmen konnte). Jedenfalls, nach einigen Bahnen hat mir Michael große Flossen zugeworfen – und dann konnte ich auch halbwegs mit den Mädels mithalten. Ähem. 

Nun gut, das war es nun aber wirklich. Sollte jemand das hier lesen, der selbst in Kopenhagen am Start war, so kann er gerne seine wie immer geartete Meinung hier kundtun. Mitleid für mein DNF ist nicht angebracht, denn wie gesagt, ich hätte einfach mehr Reifen mitnehmen müssen. Und, – diese Rechnung wird eines Tages zu meinen Gunsten beglichen werden – da bin ich sehr sicher. 

Kritik an Aerohelmträgern wird es heute nicht geben, weil ich festgestellt habe, dass es mir einfach viel zu viel Spaß macht, die meisten von ihnen zu überholen (leider diesmal nicht dauerhaft). Ein Straßenrand-Anhalter mit derlei Helm wurde übrigens auch wieder gesichtet. Irgendjemand sollte mit ihm reden – ich nicht. Noch ein kurzer Gruß an alle, die wie ich mit Defekt am Straßenrand standen: Kopf hoch, es kommen wieder bessere Tage. 

In diesem Sinne. Herzlichste Grüße vor allem alle, die in dieser Saison mit diesem Blog ausgehalten und vielleicht sogar ein wenig mitgefiebert haben. Ich hätte Euch gerne zum Abschluss etwas mehr Wumms geboten. Aber wie sage ich immer: Auch diese Geschichten müssen erzählt werden. So ist das Leben, spannend, nicht immer toll, aber meistens, wenn man möchte. 

Ich selbst werde am nächsten Wochenende mit zwei meiner Brüder und einer Schwägerin das 24-Stunden-"Rennen" am Nürburgring bestreiten. Hoffentlich ohne Platten, damit ich hinterher richtig platt bin. Ich lasse es Euch wissen.

Pa'a, mathias

 

Zuletzt aktualisiert am 17.08.10
 
Der Countdown läuft PDF Drucken E-Mail
von Mathias Müller   
03.08.10

Liebe Leute, 

es ist nicht zu fassen, aber seit gestern, Montag, den 10. August, quält mich irgend ein Nerv im Ischias-Bereich. Ich weiß kaum, wie ich hier sitzen und den Blog schreiben soll. Aber ich werde es versuchen, ist schließlich der letzte vor dem Rennen. 

Also los: Zuerst gibt es hier eine kleine E-Mail von Thorsten Bertram (mit dem ich während Maiks Abwesenheit; USA-Urlaub) zweimal morgens früh zum Radfahren draußen war. Er schreibt aus dem Urlaub: 

"Hej Mathes!
Nun habe ich das Buch endlich durch (die Strandgänge waren in den letzten Tagen eher selten geworden...) und
wollte Dir nur kurz mitteilen, dass es wirklich - wieder einmal - toll geschrieben ist.
Für meine "Vorhaben" und Motivation eine echte Unterstützung.
Wir sehen uns spätestens Donnerstag in Kopenhagen...ich freue mich wahnsinnig darauf...und die Mütze nicht vergessen!
Beste Grüße, Thorsten"


Unsere Kopenhagen-Mütze! Astrein! 

Johoo, die Mütze. Die Jungs haben sie anfertigen lassen, sind doch nicht nur Maik und ich im Langdistanzrennen, sondern auch noch zwei Staffeln aus dem Freundeskreis – und alle tragen die Challenge-Kopenhagen-Mütze. Schöne Idee. Hoffentlich können wir ein schönes Foto machen, wo wir alle mit dem Deckel drauf sind. 

Dann kam hier noch eine kleine Mail von Matthias Fackler rein, der ja beim Ostseeman innerhalb einer Staffel am Start gewesen war, und die Radstrecke in 5:17 Stunden bewältigt hatte. Er berichtet von Windschattengruppen in Glücksburg, und wie er sich dabei gefühlt hat. 

"Hey,
 weißt du was ich am aller schlimmsten fand. Du kannst dich bestimmt an den Freilauf von Ben im Trainingslager erinnern. Diese Geräusch das dir bzw. uns fast den Nerv geraubt hat!! So einen hatte ich da auch hinter mir. Und ich bin vorne echt am treten und drücken und hinter mir immer wieder dieses Geräusch. Ich bin fast durchgedreht. Da musste ich mich umdrehen und ihm sagen dass mich das nervt und er entweder den Abstand einhalten soll oder vorbeifahren. Aber er solle aus meinem Windschatten abhauen! Da hat der Kerl sich noch aufgeregt und gemeint: Gut dann fahr ich halt vorbei! Im Wind war es ihm dann doch zu anstrengend und nach 5 Minuten hab ich ihn dann endgültig überholt... Boaahh!!!!"
 

Natürlich hat Matthias ein Foto mitgeschickt, welches auf den ersten Blick eigentlich gar nicht so schlimm aussieht. Schließlich kann die Brennweite eines Objektivs die Abstände zwischen den einzelnen Fahrern etwas verzerren. Wer jedoch genau hinschaut, der sieht einige Jungs in dem Pulk Oberlenker-fahren, und bei einigen sieht es auch nicht gerade danach aus, als würden sie Leistung aufs Pedal bringen – verräterische Zeichen. Nun ja, gestern bei Norman im Laden haben wir mal wieder, auch mit Lothar, darüber gesprochen. Und die Beiden meinen, dass viele Triathleten anscheinend gar nicht mehr wissen, dass man nicht Windschatten fährt. Ach so ist das – dann müssen wir uns vielleicht demnächst auch nicht mehr wundern, wenn alle Argentinier bei der nächsten Fussball-WM den Ball in die Hand nehmen, und damit, in Football-Manier, übers Spielfeld rennen. Wenn dann der Schiedsrichter auch noch so was sagt wie, "habe ich nicht gesehen, war alles sauber!", dann wissen wir spätestens, dass Windschattenfahren noch das kleinste Übel dieser Welt ist, und alle Sauber-Fahrer nun mal eben einfach dumm. 


Matthias in der Pa'a-Attacke-Pose. Dahinter – seht Ihr selbst.

Juut, dann hat Björn noch ein Video von der Challenge-Roth gesendet, welches jedoch hier nur verlinkt werden kann. Ganz schöne Unterhaltung. 

Und es gibt noch ein Video, in welchem sich eine Fernsehdoku auf Arte mit dem Thema Gendoping beschäftigt. Recht interessant. 

Hier kommt dann noch eine gute Nachricht: Maik ist wieder da. Noch etwas verschlafen vielleicht, aber da ist er: 

 

"Hallo Mathias,

es ist 3:15 Uhr Nachts und Anke und ich kriegen aufgrund des Jetlags einfach kein Auge zu. Das obwohl wir schon letzte Nacht nur 4 Stunden geschlafen haben. Meine Liebste hat sich vor den Fernseher gehauen und ich schreibe jetzt ein paar Zeilen für den Blog, in der Hoffnung dass mich das ein bisschen müder macht.

Was ist in den letzten zwei Wochen passiert? Nicht viel wie Du ja auch schon ganz richtig berichtet hast. Natürlich nur aus sportlicher Sicht gesehen. Ich bin mit einer fetten Erkältung in die USA geflogen und konnte deshalb nur in der zweiten Woche etwas laufen. Das hört sich jetzt nicht so toll an, aber der Urlaub war wirklich weltklasse. Wir haben so viel gesehen und erlebt. Da habe ich mir ehrlich gesagt auch gar keinen Kopf um Sport gemacht, und dafür die Zeit mit der Familie in vollen Zügen genossen.

Immerhin habe ich drei traumhafte Läufe absolviert, und die werde ich so schnell nicht vergessen. Zum Beispiel bin ich an einem Tag morgens um 7 Uhr in Monterey losgelaufen und wollte eigentlich nach einer Stunde wieder im Hotel aufschlagen. Aber die morgendliche Atmosphäre, die Landschaft, die kleinen zauberhaften Holzhäuschen mit den typisch amerikanischen Veranden (öh, ist das die Mehrzahl von "Veranda"?) an der Pazifik-Küste, die gut gelaunten Jogger und Radfahrer die dort schon fleißig unterwegs sind, freundlich grüßen und einen anlächeln. Ich musste einfach immer weiterlaufen und kehrte schließlich erst wider um, als ich an einem Bereich des bekannten Pebble Beach (Golf Platz) angelangt war.  Von solchen Szenen und Bildern kann ich lange zehren, und werde diese so schnell nicht vergessen. Boah -  wahrscheinlich klingt das kitschig, aber die Bilder sind noch so präsent.

Die letzten drei Tage haben wir in Santa Barbara verbracht. Am ersten Morgen bin ich übrigens durch ein lautes Tuten um exakt 5:38 Uhr geweckt worden. Ich stand auf und schaute aus dem Hotelfenster. Draußen war es nebelig und das Tuten stellte sich als Nebelhorn im Hafenbereich heraus. Das ist nicht besonders spannend, aber das an der Strandpromenade schon eine Dreiergruppe fröhlich schwätzender Joggerinnen entlang hoppelte, da fehlten mir wirklich die Worte. Die Amerikaner sind eben richtige Frühsportler. Vor 6 Uhr zu laufen ist mir dann auch ein bisschen zu früh. Am zweiten Tag habe ich dann einen 24-Kilometer-Jogg absolviert und auch dieser wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Wenn der Marathon in Kopenhagen hart wird - und das wird er - dann werde ich genau diese Bilder und Szenen abrufen.

Überhaupt Kopenhagen. Die ganze Vorbereitung ist nicht optimal verlaufen. Aber muss immer alles perfekt laufen? Wenn ich mich nicht fit genug fühlen würde oder gesundheitliche Bedenken hätte, dann würde ich am Sonntag auch nicht starten. Wie auch immer es dann laufen wird. Ob am Ende elf, zwölf oder dreizehn Stunden stehen. Das ist für mich persönlich zweitrangig. Hauptsache ich muss den Marathon nicht zur Hälfte durchwandern. Deshalb werde ich das Schwimmen entsprechend locker angehen, und auch auf dem Rad nicht gleich "die Haare wehen lassen". Trotz streckenweiser Achillessehnen- und Magenproblemen und anderen Hindernissen macht mir dieser Sport momentan mehr Spaß denn je. Im Urlaub habe ich fast jedem Radfahrer sehnsüchtig hinterher geschaut. Sobald irgendwo eine Kette schnurrte drehte ich mich suchend um und Anke schüttelte nur schmunzelnd den Kopf. Mir blutete das Herz andere auf ihren tollen Rädern in der kalifornischen Sonne radeln zu sehen. Und solange der Spaß an der Sache nicht verloren geht und trotz suboptimaler Vorbereitung sogar noch wächst, hat man doch irgendwie schon viel gewonnen.  Ich denke das Gleiche gilt zum Beispiel auch für Sandra und Jon, die aufgrund privater Umstände den Wettkampf in Zürich abgesagt haben. Der Wettkampf Kopenhagen an sich ist nur das i-Tüpfelchen. Wichtiger ist doch was man aus der Vorbereitung mitnimmt. Und die (und auch der Wettkampf) muss nicht immer perfekt laufen um eine Menge Spaß und Freude daraus zu ziehen.

Schöne Grüße und gute Nacht

Maik

P.S.
Noch was. Heute war eine 120 Kilometer Radtour geplant. Leider stürzte Kumpel Norbert (Staffelradfahrer in Kopenhagen) als sich sein Vorderrad und mein Hinterrad berührten. Es ist nichts Schlimmes passiert, aber wir waren doch alle leicht geschockt und haben ihn dann nach Hause begleitet und die Tour abgebrochen. Manchmal geht eben auch die Gesundheit und die Kameradschaft vor."


Maik – knallhartes Radtraining 

Oh mann, wieder so ein Radsturz, der überhaupt nicht nötig war. Einfach auf gerader Strecke dem Vordermann ins Hinterrad gefahren. So was ähnliches hatten Björn und ich letztens bei der RTF in Lohbrügge ja auch, als Lars einfach mal so in den Straßengraben gerauscht ist. Nun ja, ich darf nicht unken: 2005 bin ich in der Hawaii-Vorbereitung mit einem Kumpel aus der Heimat über den Deich gefahren. Anscheinend haben wir uns so gut unterhalten, dass ich irgendwann einfach – in AeroPosition – auf den Seitenstreifen geraten, und dann den ganzen Deich runter gerauscht bin. Leute, das hat gerumst. Anschließend war die Klemmschraube der Sattelstütze kaputt, sodass ich die letzten 14 Kilometer im dicken Gang stehend nach Hause fahren musste – einmal im Leben Kraftausdauertraining. 

Was wir übrigens nicht wussten, und Maik uns nicht erzählt hat, dass er natürlich viel mehr in Amerika trainiert hat, als er uns sagt. Geheimdienstliche Beobachtungen haben ihn bei ausdauernden Radeinheiten entdeckt, und ja, sogar bei extrem hartem Training in – oder besser am – Pool. Eindeutige Foto beweisen das. 


Maik – noch härteres Training am Pool

Mensch, ich muss mich richtig konzentrieren, um weiter machen zu können. Gerade im Rückenzentrum angerufen, und um 12.15 Uhr kann ich kommen. Hoffentlich kann der Doc mit ein paar Handgriffen helfen. In Ermangelung an kreativen Gedanken, die von Schmerz verdrängt werden, drösel ich mal meine Woche auf: 

Am Montag war ich im Ohlsdorfer Schwimmbad, wo es eine 50-Meter-Bahn gibt, und wo, bei schlechtem Wetter, so gut wie nix los ist. Da bin ich dann drei mal tausend Meter mit Neo geschwommen. Naja, von diesem Desaster habe ich Euch ja schon in der vergangenen Woche berichtet. Zuerst war ich eine 16:10 geschwommen – da dachte ich, ich bin der Held. Nach der 17:02 im zweiten Versuch, fühlte ich mich noch als solider Arbeiter, aber nach der 17:45 im Dritten wäre ich am liebsten für immer abgetaucht. Ich wiederhole also noch einmal, hier liegt ein Neo, nagelneu, der sucht einen neuen Besitzer, männlich, Größe M, Alter und Haarfarbe egal. Übrigens, ich habe auch noch eine unbenutzte Oakley, Jet Black, mit Black-Iridium-Gläsern, in Lance-Armstrong-Edition. Die muss schnell weg, bevor der Typ des Dopings überführt wird. Wisst Ihr, ich hatte – und habe noch – ein von Jan Ullrich unterschriebenes Trikot. Echt wahr, dass hat er mit meinem Stift vor meinen Augen unterzeichnet. Und dann macht er Mist, lässt sich zudem erwischen, und nun ist mein Trikot, welches mich reich machen sollte, nix mehr wert. Nimmt nur noch Platz in meinem Schrank weg. Ich sage Euch, als Spekulant bin ich eine Niete. 


Maik – wer hart trainiert muss auch hart frühstücken

Am Dienstag stand der letzte lange Lauf an. Mensch, ich hatte erst fünf davon gemacht, und obwohl ich sonst den letzten langen Lauf gut zwei Wochen vor dem Rennen machte, dachte ich natürlich, dass ich den diesmal auch noch 10 Tage vorher machen könne. Tja, da hatte ich mal wieder nicht mit den Weisheiten des Pa'a-Teams gerechnet. "Mathias, Du hast uns immer gesagt, den letzten 2-Stunden-Lauf, gut zwei Wochen vor dem Rennen", meinte Martin, und ich musste mal wieder erkennen, dass die von einem selbst in die Welt gesetzten Regeln, stets zu einem zurück kommen. So war es schon im vergangenen Jahr, als Maik mir für Klagenfurt die Zipp-Laufräder besorgte, auf denen Schlauchreifen geklebt waren. "Och", sagte ich damals zu Martin, "die sind so fest geklebt, die lasse ich einfach drauf." Martin: "Mathias", an dieser Stelle müsst Ihr Euch immer ein gesprochenes Ausrufezeichen und eine Mini-Pause der Empörung hinter dem Namen vorstellen, "Du hast uns immer gesagt, dass man alles selbst kontrollieren soll, damit einem nicht so ein Scheiß passiert, wie Norman Stadler 2005, als er seine Reifen kleben ließ, und sie prompt, zuerst nicht runter von der Felge bekam, und dann die ganze Felge in die Lavafelder Hawaiis warf." Recht hatte Martin, dass hatte ich immer gesagt, also riss ich die Dinger im vergangenen Jahr runter, und klebte sie neu auf (das war übrigens gut so, weil die Reifen dermaßen verkittet waren, dass ich sie im Rennen – ohne Annas Hilfe, wie zuhause – im Falle eines Plattfußes, niemals runter bekommen hätte.

Wo war ich stehen geblieben, richtig, bei dem langen Lauf. Ich musste Martin also seufzend Recht geben, und beschloss, nur 1:30 Stunden zu laufen, und das auch schon am Dienstag, nicht am Mittwoch – jeder Tag Regeneration zählt! Nur, niemand hat gesagt, wie viele Kilometer in 1:30 passen. Also bin ich in 1:33 Stunden zum Schwimmtraining nach Wedel gerannt, was nach Google-Earth-peinlich-genau-abgeklickt, 19 waren. Natürlich bin ich wie immer recht langsam losgetrottet, und vor dem Hintergrund war das zum Schluss ein richtig flotter Lauf. Nicht mehr ganz so flott war die darauf folgende Schwimmerei. Aber man kann halt nicht alles im Leben haben. Die zwei mal 500 Meter mit Pullbuoy gingen zumindest in schnarchenden 8:36 Minuten weg – aber auf die Sekunde gleich. 

Kein Wunder, dass ich nach dem Abend am Mittwoch eine Pause eingelegt habe. Man gönnt sich ja sonst nichts, und am Schreibtisch wartet ja auch immer noch Arbeit. Donnerstag war dann so wenig im Schwimmbad los, dass ich fünf Minuten eher beginnen konnte, und letztlich 4100 Meter in die Einheit packen konnte. Das machen viele andere Athleten natürlich bei jeder Schwimmeinheit. Ich allerdings, habe mich ehrlich gefragt, und frage mich immer noch, ob ich überhaupt schon jemals so viel in einer Einheit geschwommen bin – ich glaube nicht. Dazu übrigens ein Gedanke, den ich letzten mit Anna besprach: Ich bin noch nie in meinem Leben so lange am Stück geschwommen, wie Anna in Lanzarote. Also jetzt mal ehrlich: Wer von Euch ist schon einmal 1:55 Stunden geschwommen? Das ist – und das meine ich ohne Quatsch – eine Leistung für sich. Und wenn man dann noch sieht, wie viel Mühe es Anna damals machte, dann schüttel ich immer noch annerkennend den Kopf. 

Am Freitag folgte ein Lauf, der mir einmal mehr zeigte, dass das Alter an mir nagt. Ich laufe seit ich denken kann, meine Ironman-Rennen mit Asics DS-Trainer. Doch von diesen habe ich mich nach meinem Jogg verabschiedet. Zu hart, zu eng am großen Zeh des linken Fußes – der Körper verändert sich. Och nöööö. Doch. So werde ich am Sonntag – wenn der Doc mich nachher einigermaßen hinbekommt – mit meinen Trainingslatschen rennen. Das sind Mizuno Wave-Rider-13. Hilft ja nix. Schön war die lockere Radrunde am Samstag nachmittag, als ich ohne mich groß aus dem Hemd zu arbeiten, mit nur ein paar Intervallen, 110 Kilometer in 3:38 Stunden gefahren bin, wobei ich zwischendurch nicht auf meine Cola und mein Stück Kuchen am Hofladen, Tatenberg, verzichtete. Und schön war auch der Lauf am Sonntag, als Anna mit dem Rad neben mir herfuhr, und es – für meine Verhältnisse – zwischenzeitlich richtig flott aber gut zur Sache ging. Ob dieser Lauf indes Vorbote meiner heutigen Schmerzen sind, vermag ich nicht zu entscheiden. 

Meine Woche: 

Montag: 1 Stunde Schwimmen; 3000 Meter
Dienstag: 1:33 Stunden Laufen; 19 Kilometer
Dienstag: 1 Stunde Schwimmen; 2200 Meter
Mittwoch: Keine Lust, Pause
Donnerstag: 1:30 Stunden Schwimmen; 4100 Meter
Freitag: 1:05 Stunden Laufen; 12 Kilometer
Samstag: 3:38 Stunden Rad; 110 Kilometer
Sonntag: 1:05 Stunden Laufen; 12 Kilometer

Gesamt: 10:45 Stunden. Für die vorletzte Woche, keine Einwände. 

Gut, nun bin ich Euch natürlich noch meine Jahresleistung bis zum Rennen schuldig. Wir wollen ja nichts im Trüben lassen. Also, geht los: 

Rolle (immer 1:15 Stunden): 12 Einheiten 
MTB: 37 Kilometer: 1 Einheit

Schwimmen: 85400 Meter / Woche: 2668 Meter
Radfahren: 5965 Kilometer / Woche: 186 Kilometer
Laufen:       762 Kilometer  / Woche: 23 Kilometer

Wir ich meine, ist die Trainingsleistung auf dem Rad mit fast 6000 Kilometern recht ordentlich. Wenngleich ich mir sicher bin, nein weiß, dass viele Athleten meiner Leistungsklasse wohl zwischen 2 und 3 tausend Kilometer mehr auf dem Tacho haben. Egal. 6000 reichen, zumal ich eh nie mehr in meinem Leben einen Blumentopf gewinnen werde. 

Beim Schwimmen sieht die Sache natürlich ganz anders aus. Das ist gerade einmal eine Einheit pro Woche – im Durchschnitt. Nun ja, wer meine Blogs seit 2005 liest, der weiß, dass ich zwar gerne Schwimme, aber den Weg zum Schwimmbad nur sehr ungern antrete. So ist es halt. 

Laufen: Das war nun in diesem Jahr wirklich die Pest. Nein, nicht dass ich im vergangenen Jahr viel mehr gelaufen wäre – ich glaube 2 Kilometer pro Woche mehr. Aber in diesem Jahr wollte ich mehr laufen! Ich wollte schon im Winter Intervalle rennen, so wie ich es früher in der Jugend gemacht habe. Und als der Winter – irgendeinen Schuldigen muss es ja geben – alle Weg unpassierbar gemacht hatte, und ich mein Vorhaben nicht umsetzen konnte, da wollte ich wenigstens dreimal pro Woche laufen. Aber das haben mir meine Rückenprobleme von April, Mai, und teilweise Juni, dann auch noch zerschossen. Was soll ich machen? Es ging eben nicht anders! 

Von Maik liegt uns leider keine Endabrechnung vor, weil er nach seiner Rückkehr aus den USA so viel auf dem Schreibtisch hatte, dass er es einfach nicht geschafft hat. Vielleicht können wir das ja nachliefern. 
Ach, irgendwie auch cool: Einst war Maik einer der ersten Blog-Leser, als ich 2005 für das Handelsblatt griffelte, und heute sind wir Freunde. Also allein dafür hat sich jeder Trainingskilometer gelohnt. Ganz im Ernst. 

Also – vorausgesetzt, der Doc kriegt mich nachher hin – geht das Projekt am Donnerstag seinem Ende entgegen. Ich könnte heulen, wenn ich überlege, dass hier eventuell so kurz vor Schluss noch was schief geht, denn die letzten Wochen war ich zunehmend gut bis sehr gut drauf. Nun ja, es hilft nix, ich muss jetzt abwarten. Alles ist soweit vorbereitet, und wenn ich die nächsten Tage nicht trainieren kann, ist es auch nicht schlimm. Was ich brauchen könnte, wären ein paar Daumen eurerseits. 

Gut, ich muss dann gleich mal los, denn Duschen, Anziehen, zum Arzt, dass dauert alles unter diesen Umständen etwas länger. Alles eine harte Probe in diesem Jahr. Wenngleich – ich kann mich kaum erinnern, dass es einmal anders war. 

Liebe Leute, es kann sein, dass ich heute etwas fahrig geschrieben habe, oder vielleicht habe ich das eine oder andere vergessen. Aber es ist mir echt schwer gefallen, hier zu sitzen, und klare Gedanken zu fassen. Also bitte verzeiht. 

Wir läuten nun also die letzten Runden ein. Ich werde wohl die eine oder andere Nachricht bei Facebook absetzen. Fühlt Euch also eingeladen. Ansonsten werde ich mich nun bis zu nächsten Woche verabschieden. Der nächste Blog wird erst am Donnerstag nach dem Rennen erscheinen. 

Gehabt Euch bis dahin wohl. Ich drücke allen die Daumen, die ein Rennen vor sich haben – so auch Matthias Fackler, der in Wiesbaden startet, und dem ich hiermit mitteilen möchte, dass er sich die roten Buchstaben bitte so vorstellt, wie es vorgegeben war. Ich weiß nicht genau, ob Nina und Toby auch am Start in Wiesbaden sind. Doch, ich meine schon. Also wünsche ich Euch beiden auch viel Glück. Du weißt ja, Nina, großen Bogen um alle übereifrigen Sanitäter machen! 

Also, wir hören uns alle nächste  Woche wieder. Bis dahin. 

Pa'a! Herzlichst, Euer mathias 

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Zuletzt aktualisiert am 10.08.10
 
Die Angst wächst PDF Drucken E-Mail
von Mathias Müller   
30.07.10

Liebe Leute, 

oh nein, oh nein, oh nein, das darf nicht wahr sein. Nun habe nicht extra nicht viel Schwimmen trainiert, und bin immer noch nicht schneller! Bitte was?! Ach ja, ist doch wahr. Frust, Frust, Frust. Ich war gestern Schwimmen – mit meinem flamm-neuen Sailfish G-Range-Neo. Nun habe ich natürlich gedacht, dass ich damit fuchsteufelsschnell bin. Pustekuchen. Nach drei mal tausend Metern bin ich recht desillusioniert aus dem Wasser geklettert. Wenn ich die Zeiten hochrechne, dann komme ich mit Ach und Krach auf 1:08 über die 3800 Meter. Ojeojeoje. 

Aber jetzt im Ernst: Natürlich habe ich nicht wirklich geglaubt, dass mich ein solcher Anzug viel schneller macht. Wenn ich das glauben würde, dann würde ich ja auch  mit Aero-Helm schwimmen! Gelle?! Gut, wer also einen nagelneuen, nur 3000 Meter in Süßwasser geschwommenen G-Range in der Größe M kaufen möchte, der kann sich bei mir melden. Ich dackel weiter mit meinem alten Gummi durchs Wasser, warte drauf, dass mich die Fluten irgendwann ausspucken und dann geht's mit dem Radfahren ordentlich weiter. Ach Mist, irgendwie ist das wie früher, als ich mit dem Sport anfing. Immer noch kommt mein Schwimmen eher einem Warten gleich, als einer aktiven Renngestaltung. Hm. Dabei erinnerte ich mich gestern, dass ich früher mit 15 Minuten nach 1000 Metern Neo-Schwimmen aus dem Wasser gesprungen bin. Naja, das ist 18 Jahre her, aber gestern hatte ich einmal 17:45 auf der Uhr stehen, und habe zum lieben Gott gebetet, dass ich mich um 100 Meter verzählt habe. Habe ich aber nicht, weil ich ja sonst 16 Minuten geschwommen wäre – und das kann ich eben derzeit nicht. Verdammt, verdammt, verdammt. Haha. 

Das war übrigens gestern das erste Mal, dass ich seit Klagenfurt 2009 mit einem Neo im Wasser war. Jaja, ich weiß, suboptimal. Aber das ganze Jahr 2010 war suboptimal – und nicht mal das. Genau jetzt weine ich dem Monat nach, den ich bis Wisconsin noch gehabt hätte. Aber was soll's, es ist wie es ist, sagt Kumpel Thorsten Bertram. Und: Ich bin da, wo ich sein möchte. Und drittens: Wenn es weh tun muss, dann sofort. Naja, lange ist es ja nicht mehr bis Kopenhagen. 

Ach das Schwimmen, ich könnte Bücher drüber schreiben. Was ich da so erlebe, ist echt der Wahnsinn. Hier kommt wieder ein kleine Anekdote aus Wedel: Hatte ich schon erzählt, dass dort Donnerstags die DLRG-Schwimmer links neben uns/mir schwimmen? Juut, so ist es. Und letztens, schwimme ich, so ziemlich am Ende meines Trainings einen 200er. Klar, ich bin schon müde, aber das sind die von der DLRG zu diesem Zeitpunkt ja eigentlich auch schon. Ich stoße mich also bei 175 Meter vom Beckenrand ab, ziehe zweimal und atme nach rechts. Und was sehe ich? Da schwimmt einer mit den Armen auf dem Rücken, nur mit Brustbeinschlag neben mir her. Leute, ich würde dabei absaufen, aber als ich das sehe, saufe ich fast beim Kraulen ab – vor allem, weil der Kerl, zwei Züge später immer noch neben mir ist. Und vier Züge, acht Züge später auch noch! Nur um ein Haar habe ich es geschafft, eher am Beckenrand anzukommen!! Hallo?!

Also eins kann ich Euch sagen: Meldet Euch niemals in einem Schwimmverein an, wo zur gleichen Zeit, DLRG-Schwimmer trainieren. Das ist dann eher ein Psycho- als ein Schwimmtraining. Echt wahr. Immerhin, gut zu wissen, dass man im Wedeler Umland ruhig mal einen Krampf oder sonstige Not im Wasser erleiden kann – die Jungs und Mädels der DLRG haben echt ein Pfund drauf, und holen einen da raus. Zur Not mit dem Armen auf dem Rücken. 

Aber das ganze Schwimm-Gerede bezieht sich ja eigentlich auf gestern Abend. Und gestern Abend gehört ja eigentlich in die nächste Woche. Also weg mit den düsteren Gedanken. Nach vorne geht der Blick. Und mein Blick erfasste heute Morgen, als ich die neuste TOUR durchblätterte plötzlich ein helles Licht auf der Letztes (Umschlag-) Seite. Riesengroß ist das Werbung für das Couchpotato-Buch gemacht. Doch damit nicht genug. Das 17-Stunden-zum-Ruhm-Buch, und auch der Rennrad-Reiseführer-Lanzarote sind dort abgebildet – alle von mir. Juchuuu, also da darf man sich auch mal freuen. 


Die ganze Tour-Seite nur Müller. 

Und dann waren da noch die Jungs um Martin Kusch von Leistungsdiagnostikonline.de, die das Couchpotato-Buch auf ihre Homepage gehievt haben. Sehr schön und sehr richtig, hatte Martin damals mit seinen Leistungsdiagnostiken und seiner Beratung doch großen Anteil am Erfolg des Teams. 

Und dann gibt es hier noch was schönes zu erzählen. Nämlich von Matthias Fackler, eben jenem Matthias Fackler, der mit uns auf Mallorca im Radtrainingslager war – zum ersten Mal in einem Radtrainingslager war. Schon damals hat sich der Bursche gut angestellt, und eingeführt, und ich habe ihm schon damals, nach wenigen Kilometern, gesagt, dass ich ihn für eine ziemliche Kanone auf dem Rad halte. Beziehungsweise, dass er eine werden würde. Seit einiger Zeit sprechen wir nun gemeinsam seine Trainingspläne ab, und am Sonntag wollte er zum ersten Mal (beim Ostseeman in Glücksburg) 180 Kilometer auf Zeit fahren. "Unter 6 Stunden wäre prima", hatte er mir gesagt, worauf ich ihm geantwortet hatte, dass er mit einer Zeit von über 5:44 nicht nach Hause kommen bräuchte. "Wie?", hatte er gemeint, "ich soll/kann noch schneller? Martin hatte letztes Jahr 5:21!" Das sei doch ein Ziel, hatte ich ihm darauf hin geantwortet, worauf er wiederum meinte, dass ihm das zu schnell sei. 
Einen Tag vor dem Rennen habe ich ihm noch einmal geschrieben, dass es nichts zu verlieren gäbe, also "Kopf runter Druck". Und hier nun sein sehr erfreulicher Bericht aus Glücksburg: 

 

"Hallo Mathias,
Vielen Dank für deine SMS am Samstag Abend. Ich hab' mich dann aber doch etwas aus der Ruhe bringen lassen. Spätestens als unser Schwimmer (der morgens anreisen wollte) um 4:00 Uhr nachts 'ne SMS geschrieben habt, dass er nicht kommt weil er krank ist. Unglaublich. Naja so bin ich bis ungefähr 6:00 Uhr davon ausgegangen dass ich selber schwimmen muss! Danach Rad fahren und dann an unseren Staffel-Läufer übergebe! Zum Glück hat sich unter den Triabolos-Fans noch jemand gefunden die zufällig einen Neo dabei hatte und Lust hatte, ganz spontan zu schwimmen. Das hieß dann am Sonntag morgen noch ummelden und hin und her! Stress pur!!!


Matthias beim Triathlon in Hamburg vor zwei Wochen. 
Oberschenkel sind das, tss.

Also die gute dann nach 1:18 Stunden aus dem Wasser kam, ging mein Rennen los. Ich hatte mir im Vorfeld noch einmal Gedanken gemacht wie ich es angehen soll! Ruhig und locker die ersten beiden Runden? Die ersten drei und dann schauen was geht? Die erste ganz vorsichtig zum Strecke kennen lernen? Try and error? Keine Ahnung. Als ich dann auf dem Rad war, ist aber auf einmal alles klar gewesen. Kopf runter Druck. Ich hab sofort meinen Rhythmus gefunden. Hab mich super gefühlt. Die Zeiten hab ich gar nicht beachtet. Auch nicht die Geschwindigkeit. Ich hab auch kaum auf meinen Puls geschaut. Ich bin einfach gefahren! Hab mich gefreut. Allen Leuten zurückgewunken, die mir gewunken haben. Allen Leuten gedankt fürs Anfeuern! Überall an der ganzen Strecke waren Menschen.
Kleine Kinder die sich über leere Flaschen gefreut haben.
 Und zum ersten Mal auf die Uhr hab ich nach 90 Kilometer geschaut. und dann stand da eine 2:37h. 'Boahh', dachte ich. 'Matthias jetzt hast überzockt.' Kurz hochgerechnet. 5:14 – Hammer!
Aber ich hab mich super gefühlt. Also: Gedanken weggeschoben. Weiter machen. Weiter winken. Weiter freuen! Und den Kids die 4.
 leereFlasche hingeworfen! Pünktlich bei Km 120 hat es dann angefangen zu regnen. Mist. Die Abfahrten mit scharfen Kurven, viele Kanaldeckel. Lieber da ein bisserl rausnehmen, und sicher ankommen. Und wichtig. Nicht aus der Ruhe bringen lassen. Was soll's. Vorher hab ich mich mit Wasser abgekühlt. Jetzt macht das der Regen! Und die Kinder stehen auch noch da! Also weiter!!

Nach der 5. Runde hab ich mich erst mal richtig gefreut. Jetzt kann fast nix mehr passieren. Ich war jetzt schon stolz. Hatte Tränen in den Augen, als ich überlegt habe, was hier gerade abgeht! Meine erste Langdistanz-Erfahrung. Es war einfach toll! Vorsichtig aber mit allem was noch geht die letzten 30 Kilometer angegangen. Den Wind, der inzwischen auch viel stärker war, einfach ignoriert und gedrückt. Tja, und dann zum letzten Mal den Berg mit den vielen Menschen hoch. Rechts abbiegen in die Wechselzone, Rad wird abgenommen, und ab zum Wechselzelt wo mein Marathonläufer steht!!

Hier mal die Zwischenzeiten:
Km      Zwischenzeit    Rundenzeit     
30      00:53   00:53  
60      01:45   00:52  
90      02:37   00:52  
120     03:31   00:54  
150     04:25   00:54  
180     05:17   00:52  

Danach gings dann erst mal duschen und kurz was essen. Und sofort zur laufstrecke. Helge wollte um die 3:15 Laufen also musste ich mich ja beeilen wenn ich ihn noch anfeuern wollte. Nach 3:10 und insgesamt 9:48 sind wir dann zu Dritt über die Ziellinie gelaufen. Hey ich hab mein erstes Langdistanz Rennen unter 10 Stunden geschafft... :-)))

Mathias, ich hab in den 5 Stunden ganz oft an Dich/Euch gedacht. An Euer Projekt. An alles, was in den letzten zwei Jahren passiert ist. Und ich bin froh, dass DU mich auf den richtigen Weg gebracht hast. Ich hab Dir/Euch wirklich viel zu verdanken, und ich hoffe, dass ich das irgendwann wieder gut machen kann! DANKE für ALLES!

Noch ein paar Anmerkungen, über die ich schimpfen, aber auch schmunzeln musste:

1.) Schmunzeln: Aerohelmbestückter Fahrer steht am Straßenrand und pinkelt. Ich musste den Spruch einfach loswerden: Aerohelm tragen, aber zum Pinkeln anhalten! 

2.) Schimpfen: Ich bin immer wieder auf Gruppen aufgefahren, die ein Mannschaftszeitfahren vom Allerfeinsten praktiziert haben. Schlimm. Also hinten reingefahren und für mich gab es keine andere Möglichkeit, als vorbei zu fahren. Ich konnte und wollte da einfach nicht mitmachen!  Die ersten zwei mal hatte ich die Gruppe dann am Hinterrad hängen. Also bin ich dann mit noch mehr Druck weggefahren, und habe den Leuten gesagt, dass ich nicht mitmachen will. Böse Blicke, fettes Grinsen  die Reaktionen waren unterschiedlich. Ich kann aber sagen, dass ich meine Zeit sauber gefahren bin. Und das ist gut so!

3.) Schimpfen: Immer wieder unglaublich, wie rücksichtslos manche Leute unterwegs sind. Da wird auf  der allerletzten Rille überholt. In den engsten Kurven. Kopfschütteln hab ich da nur übrig. Kein Wunder dass es so viele Stürze gab. Vor allem als es dann später echt rutschig geworden ist. 

So, genug geschwärmt, geschimpft, geschrieben. Viele Grüße, Matthias"

Ach, wie mich das freut. 5:17 Stunden, das kann sich für das allererste Mal doch mehr als sehen lassen. Und das wird im nächsten Jahr – unzweifelhaft – noch schneller. Wer sich jetzt von Euch wundert, und sich fragt, warum der Fackler so gut Rad fahren kann, dem sei als Psycho-Krücke gesagt, dass er dafür im Wasser ne Graupe ist – noch! Es ist halt so, und ich habe es in meiner Zeit als Läufer früher schon oft erlebt: Ich renne mir die Seele aus dem Leib, und plötzlich kommen irgendwelche Jungendlichen um die Ecke, und hängen mich ab, als sei ich ein Opa (der ich mit 20 nun wirklich noch nicht war!). Tja, und so ist es mit Matthias wohl auch. Und übrigens – wenn auch viel älter – auch mit Bergedorf-Björn, der ohne Krämpfe sicher hätte über eine halbe Stunde schneller sein können. Darüber habe ich übrigens noch öfter nachgedacht. Woher kommen eigentlich diese Krämpfe? Martin Hager zum Beispiel hat auch schon des öfteren über Krämpfe gesprochen. Und nie weiß man genau, woher das kommt. Vor allem hatte Björn die ersten Zuckungen schon beim Schwimmen. Beim normalen Schwimmen, ohne Neo, hat er indes nie Krämpfe – zumal er ja (früher) vom Schwimmen kommt. Kann das was mit dem Neo zu tun haben? Ich bin überfragt. 


Auf der Gourmet-Tour der RTF in Lohbrügge

Tja, Talente, überall und nirgends. Gerade in den letzten Tagen habe ich mit meinem Bruder darüber gesprochen, dass außer ihm (früher Marathon 2:36), noch zwei weitere Läufer der früheren Heimat-Truppe eventuell einen Eiermann machen möchten. Beide waren früher ebenfalls sehr gute Marathonläufer (2:30 und 2:15; letzterer, Robert, ist auch Experte fürs Laufen im Couchpotato-Buch). Nun warte ich mal ab, wie sie sich entscheiden. Das wäre auf jeden Fall eine sehr reizvolle Sache, zu schauen, ob man die Jungs, mit einem Streich nach Hawaii bekommt. Ich glaube, sie können das schaffen, und würde gerne als Berater zur Verfügung stehen. Aber erst einmal müssen sie sich trauen. Nur mal so angedacht: Wenn sie wollten, und Matthias Fackler (der sich schon für Regensburg 2011 zu seinem ersten IM angemeldet hat) mitmacht, wir vielleicht dann sogar noch ein oder zwei Jungs aus dem alten Pa'a-Team zusammen kriegen würden – dann hätten wir wieder ein neues Projekt, und der Blog würde ebenso weiterlaufen. Mal sehen. 

Gut, was haben wir noch. Leider bin ich in dieser Woche nicht zu einer ausführlichen Triathlon-Szene-Lektüre gekommen. Na, da finden wir beim nächsten Mal vielleicht wieder Interessantes. 
Maik scheint indes in den USA einen schönen Urlaub zu verbringen – man hört und sieht nichts von ihm. Das sei ihm gegönnt. Und hoffentlich kommt er gesund zurück. Denn – wir erinnern uns – er war ja mit einer Sommergrippe abgereist. Wenn er wieder hier ist, bleibt ihm noch eine Woche, um den Rhythmus wieder aufzunehmen, und dann geht's schon los und ab nach Kopenhagen. Leute, ich habe ein wenig Schiss. Denn so wenig/schlecht einordnen wie in diesem Jahr, konnte ich meine Leistungsfähigkeit noch nie. Irgendwie ist alles im Nebel. Viel zu wenig Laufkilometer, null Rumpfstabi, zu wenig Schwimmen, und nur flaches Radfahren. Na das kann was werden. 

Auch in der vergangenen Woche hatte ich wieder nur eine Laufeinheit im Kalender. Immerhin, dass war der Lange Lauf mit meinem Bruder, der, morgens um 7 Uhr, eigentlich ganz locker von der Hand ging. Heute müsste ich auch noch mal lang ran, aber ich weiß mal wieder nicht, ob es der Schreibtisch her gibt. Auch Schwimmen war ich nur einmal, dafür aber waren es dann 3400 Meter. Immerhin. 

Die eigentlich schönen Einheiten folgten am Samstag und Sonntag. Samstag wollte ich einen langen Riemen fahren, und bin auch frohen Mutes aufs Rad. Zur großen, freudigen Überraschung traf ich Thorsten Bertram auf dem Deich, der mit uns nach Kopenhagen reist, um dort innerhalb einer Staffel, die Radstrecke zu übernehmen. Immerhin, so hatte ich 50 Kilometer Begleitung. Beim Tante-Emma-Laden in Hoopte – sie schmiert immer so leckere, frische Salami-Brötchen – trafen wir dann Philipp. Ich fragte ihn, ob ich ihn begleiten dürfte, weil Thorsten zu diesem Zeitpunkt umdrehen wollte. Eigentlich kein Problem, sagte der junge Mann (20), aber wolle bald Crescendo fahren. Ui, jetzt musste ich erstmal grübeln, das war doch dieser Begriff aus der klassischen Musik, welcher eine ansteigende Lautstärke anzeigt. Klar fragte ich mich jetzt zuerst, ob Philipp wohl beim Radeln singen wollte, oder würde er – er hatte Ohrstöpsel am Helm baumeln – einfach seinen MP3-Player aufdrehen? Nun ja, crescendo heißt eben in der Übersetzung auch anwachsend, also wollte er wohl mit ansteigender Geschwindigkeit fahren, wodurch seine Beinmuskulatur anwachsen würde.

Wie auch immer, Philipp war/ist ein sehr netter Bursche, startet für die Kaifu-Triathlon-Truppe in der Regional-Liga, und führt aus, was sein Trainer ihm aufschreibt. Leider trennten sich also unsere Wege nach unterhaltsamen zehn Minuten wieder. Sehr schade. Aber eines hat er mir mit auf den Weg gegeben, und zwar einen Spruch, den er mir nach dem Abbiegen noch zurief: Lass die Haare wehen! 
Also Leute, ohne Flachs, den Satz finde ich toll. Da musste ich lange drüber schmunzeln. Das hört sich so ein wenig Hippie-mäßig, sympathisch an. Und das auf einen Sport gemünzt, der fortschrittlich, materialbestimmt, und zum Teil sehr verbissen ausgeführt wird. Nein, Philipp ruft: Lass die Haare wehen! Sehr schön. Nun soll das keine Aufforderung sein, keinen Helm beim Radeln zu tragen, schon aber eine Aufforderung, ab und an mal richtig den Fuß nach unten zu drücken. Aber mehr noch, für mich bedeutet es auch, die Sache nicht zu verbissen zu sehen: Lass die Haare wehen! Philipp – danke dafür! (und viel Erfolg!)

Juut, ich war jedenfalls schnell wieder alleine, und was soll man machen, wenn man alleine ist, und noch fast 100 Kilometer vorm Bug hat? Richtig, die Haare wehen lassen. Letztlich war ich dann nach 5:10 Stunden und 155 Kilometern bei Ben, der ein Grillfest veranstaltete. Na, Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich erstmal ordentlich am Buffet zugegriffen habe. 


Fühlten sich hinter der Hecke in Sicherheit, 
aber ich habe sie beim Schlemmen entdeckt:
Björn und Ingvar auf der Gourmet-Tour

Und dann gab es am Sonntag noch eine RTF in Lohbrügge (auch Gourmet-Tour genannt, weil sie da tatsächlich Lachsschnittchen reichen), die ich mit Björn und seinen Kumpels Lars und Ingvar bestritten habe, bzw. bestreiten wollte. Denn Lars stürzte auf regennasser Fahrbahn schon nach 30 Kilometer, und so waren wir nur noch zu dritt. Da zuvor schon ein älterer Herr mit zerstörter Schulter mitten auf der Straße gelegen hatte, beschlossen wir, dass dieser Tag unter keinen gute Stern steht, und wir somit nur die 81er Tour fahren wollten. Naja, bis ich wieder zu Hause war, waren es dann ja eh wieder fast fünf Stunden, und das sollte dann auch reichen.

Hier meine Woche:

Montag: Pause
Dienstag: keine Lust – Pause
Mittwoch: 2:03 Stunden; 25 Kilometer (Bruderlauf)
Donnerstag: 2:33 Stunden Rad; 75 Kilometer (Bruderfahrt)
Donnerstag: 1:30 Stunden Schwimmen; 3400 Meter
Freitag: schon wieder Pause
Samstag: 5:10 Stunden Rad; 155 Kilometer
Sonntag: 4:45 Stunden Rad; 137 Kilometer

Gesamt: 16 Stunden

Wie angekündigt, nicht so viel wie vergangene Woche, da waren es 17 Stunden und ein bißchen. Och, irgendwie läuft es doch jetzt einigermaßen. Wie gesagt, vier weitere Wochen wären schön, aber das ist ja selbst gewähltes Leid.

Kopenhagen: wie gesagt, ich habe ganz schön Bammel. Um so mehr, als das mein Freund Michael (dänischer Nationaltrainer) berichtet hat, dass die dort oben viele Granitsteinchen am Fahrbahnrand haben. Wenn es regnet, so meint er, dann würden die Hälfte aller Athleten einen Platten bekommen. Darum habe ich mir gestern Vittoria-Pitstop bestellt, und ein Produkt von Tufo, welches dem Reifen vorab injiziert wird. Natürlich habe ich von den Pitstops eine Flasche zu viel bestellt, damit ich das einmal ausprobieren kann. Und für Maik habe ich auch eine bestellt, weil er ja derzeit in Amiland ist, und diese Info noch nicht hat. Jedenfalls kann man da Schiss bekommen. Nun ja, wir werden sehen. Wollen wir einfach hoffen, dass es trocken bleibt, und die Steinchen somit, dort bleiben, wo sie hingehören – am und im Straßenrand. 

Juut, Ihr lieben, das war es wieder für heute. Ich hoffe, Ihr seid alle gut dabei, und Eure bisherigen Rennen sind gut gelaufen. 

Wir hören uns nächste Woche wieder – das letzte Mal vor unserem Rennen, wie spannend. Bis dahin, 

herzlichst, Euer mathias

 

Zuletzt aktualisiert am 03.08.10
 
Zwischen Krämpfen und Kämpfen PDF Drucken E-Mail
von Mathias Müller   
22.07.10

Liebe Leute,

Fangen wir mit dem Ereignis der vergangenen Woche an. Bergedorf-Björn war, wie Ihr sicher alle mitbekommen habt, in Roth bei der Challenge am Start, und Anna und ich sind runter, um ihn zu unterstützen. 

Zum ersten Mal sahen wir den Burschen dann am Ende des Solarer Berges. Seine Eltern und (Haus-) Freundin-Antje hatten sich schon zu uns gesellt, und schon bevor Björn in seiner ersten Runde bei uns auftauchte, hatten wir fünf einen riesigen Spaß. Also anfeuern kann man mit der Bergedorf-Fraktion wirklich gut. 

Als Björn dann vorbei kam, war er genau auf seinem selbst gesteckten Kurs. Zudem war er gut drauf, gut gelaunt, gut locker – alles schien prächtig zu laufen, äh fahren, natürlich. 

 


Björn mit der Pa'a-Attacke-Faust

Auch in der zweiten Runde war er noch genau auf Plan. Was das heißt? Das heißt, er war auf 5:15-Stunden-Kurs für die 180 Kilometer. Sehr gut! Nachdem er uns dann das zweite Mal passiert hatte, und auch schon davor, hatten wir natürlich jede Menge Zeit auch andere Leute zu beobachten und anzufeuern. So erinnere ich mich direkt wieder an eine junge Frau, die in ihrer Trikottasche zwei Laugenbrezeln platziert hatte – welch eine Wettkampfernährung! Nein im Ernst: Gut ist, was bekommt! 

 


Björn: So schnell – glatt verschwommen!


Kienle, Wellington und Konsorten waren natürlich auch der Hammer. Leute, die rauschen vorbei, da kommt man kaum dazu, ein  Foto zu schießen. Puh. Jedenfalls, als Björn zum zweiten Mal an uns vorbei war, haben wir den Kardinalfehler gemacht, und uns eine Pause mit kühlem Getränk gegönnt. Und,schwupps, schon haben wir ihn bei Kilometer 4 an der Lände, dem großen Knotenpunkt der Laufstrecke verpasst. Und somit musste er bis zum Halbmarathon ohne mentale Unterstützung zurecht kommen.

 


Nicht mehr ganz locker – aber steter Tropfen/Schritt, schafft's zum Ziel

 

Antje, Anna und ich standen dann bei Kilometer 21 und haben ein wenig andere Athleten angefeuert. So auch Björns Kollegen Matthias. Aber der war leider so im Tunnel, dass er uns anscheinend nicht wahrgenommen hat. Nur eineinhalb Meter von ihm entfernt, „Matthias, Matthias“, schreiend, konnten wir ihn nicht dazu bewegen, den Kopf zu uns zu drehen. Nun ja, so ein Eiermann ist harte Arbeit, und manchmal ist einem auch einfach nicht zum Lächeln zumute. (Matthias hat an diesem Tag dann eine sehr gute 10:26 Stunden, glaube ich, hingerissen. Sehr stark.)

 


Noch 10 Kilometer!

Und dann kam Björn. Uh, er war mächtig am Kämpfen, und zum Lachen war auch ihm nicht zumute. Krämpfe plagten seine Oberschenkel schon seit Beginn des Marathons, und so war das kein Spaß, die Rennerei. Im Vergleich zu vielen anderen Athleten war er jedoch hell wach, voll konzentriert und analytisch absolut auf der Höhe – allein die Krämpfe. Mist, ich muss sagen, ich möchte so was gar nicht erleben. Bandscheibenvorfall – okay; Flächen deckende Hautablösung unterm Fuß – geschenkt; Kapselriss im Grundgelenk des großen Zehs – kein Thema; aber Krämpfe? Nee danke. 


Geschafft: Noch wenige Meter und das Ziel ist erreicht!

Wie auch immer, während sich Anna ein wenig am Wegesrand ausruhen musste, sind Antje und ich auf der zweiten Hälfte des Marathons von einer zur anderen Ecke gedüst und haben Björn angefeuert. Ich schätze, wir haben ihn zehn mal gesehen, wahrscheinlich öfter. Und ich bin mir nicht sicher, ob er unsere Brüllerei so super fand. Auf jeden Fall hat es ihn vielleicht ein wenig dabei unterstützt, nicht zu dem Wunsch des Gehens nachzugeben. Wenn es so war, dann hat sich unser Einsatz gelohnt. Im Ziel war Björn dann nach 10:41 Stunden – eine famose Zeit für einen Langdistanz-Rookie. Wenngleich ich der festen Meinung war, dass er – wenn alles optimal gelaufen wäre – unter 10 Stunden hätte bleiben können. Nun ja, hätte, wenn und aber, zählen leider nicht immer. Aber ich bin mir sicher, dass sein zweiter Angriff auf diese Distanz mit einem viel schnelleren Ergebnis enden wird. Mal sehen, wann er wieder dazu bereit ist. Bei der Wochenend-Radausfahrt, morgens um 6.30 Uhr war er zumindest noch nicht wieder mit von der Partie – welch Wunder! 


Wenn der erste Schmerz nachlässt, kommt die Freude, kommt die Müdigkeit

Dann habe ich noch ein Video von Roth gefunden. Das war auf der Internetseite des Triathlon-Magazins zu sehen. Schaut es Euch an. Paar schöne Bilder, aber gerade mitreissend ist der Kommentator auch nicht (wenn Ihr Euch noch an den Film der letzten Woche erinnert – gääähn). 


Björns Heimat-Zeitung. Sisste wohl!

Beim Triathlon-Magazin ist mir übrigens noch was aufgefallen. Letztens hatten mir die Kollegen ja mal einen Gefallen getan, als sie endlich mal geschrieben haben, dass Kompressionssocken keine Leistungssteigerung aufgrund physiologischer Veränderung bringen. Daumen hoch. Aber in der Ausgabe Juni 2010 haben sie dann wieder richtig in die Keramik gegriffen, finde ich. Warum? 
Ein Artikel über mein Lieblingsthema: Aero-Helme. Alter Schwede, eigentlich geht alles ganz gut los. Von sprachlichen Ungenauigkeiten am Anfang des Textes mal abgesehen, schreibt Redakteur Sienknecht, das diese Helme, so zeige es das Labor, zwischen fünf und zehn Watt Leistungsersparnis brächten – bei einer Geschwindigkeit von 40 km/h wohlgemerkt. 


Hamburger Pa'a-Attacke. v.l.: Björns Vater Jens, Anna, Mutter Heike, Antje

So, jetzt können sich viele Aero-Helm-Träger schon einmal fragen, wann, wie oft und wie lange sie 40 km/h fahren. Aber weiter: Sienknecht schreibt sehr richtig weiter: "Diese Werte gelten allerdings nur dann, wenn Sie den Helm in optimaler Weise nutzen." Ein wenig weiter steht noch einmal: "...nur bei optimaler Kopfhaltung – sonst bremst der Aerohelm sogar: Während sich der Messwert des Referenzhelms bei gesenktem Kopf nur um drei Watt verschlechterte, schlug der geneigte Aerohelm mit ganzen 17 Watt Mehraufwand zu Buche." Leute, da habe ich den Redakteur echt innerlich in die Arme geschlossen, und mich gewundert, wie man so offen und ehrlich über den Unsinn dieser Helme schreiben kann. Dann geht es weiter: "Seien Sie also realistisch: Wenn Sie während der Fahrt, beim Trinken oder Umblicken immer wieder den Kopf aus der Optimalposition herausdrehen, dann verzichten Sie lieber auf einen Aerohelm."


Aero-Helm-Träger Rasmus Henning (Dänemark; späterer Sieger in 7:52 Stunden!!)

Für mich hätte der Artikel ganz klar genau an dieser Stelle, genau nach 59 Zeilen zu Ende sein können. Das Wichtigste war gesagt. "Ja was hat er denn jetzt wieder, der Müller", denkt Ihr vielleicht jetzt. "Hat er doch gut gemacht, der Tri-Mag-Redakteur." Jo, hat er, bis hierher, 59 Zeilen Text lang. Nur wisst Ihr was, die Geschichte ist über zehn Seiten im Heft! Und genau jetzt, bin ich froh, dass ich dieses Heft nicht bezahlen musste! Das war dann aber auch schon die ganze Message. Was meint Ihr? Kommt, Ihr habt das Heft doch, oder?! Fühlt Ihr Euch gut informiert?

Immerhin, die Werbung des Aero-Helm-Herstellers Lazer, bei welcher der Ehemann aufgrund seines Helmes früher zu Hause ist, als sonst, und somit seine Frau beim Ehebruch erwischt, ist witzig – wenn sie auch nicht den Tatsachen entsprechen würde. 
Und jetzt überlege ich noch, ob ich mir die 13-Seiten-Geschichte über St. Croix reinziehe. Mal sehen, ob ich mich aufraffen kann. Kann mir jemand einen Tipp geben?

Juut, jetzt erstmal zu Maik. Den hat das Schicksal, wie Ihr in den Kommentaren des letzten Blogs vielleicht gelesen habt, mächtig gepackt: 

"Hi Mathias!

Erst einmal schöne Grüße aus San Francisco. Mittwoch musste ich ja schon den langen Lauf aufgrund von Schlappheit und Unwohlsein mit Dir absagen. Seitdem plage ich mich mit einer schönen, fetten Erkältung herum. Der Flug hierher war deshalb auch nicht besonders schön. Meine Ohren und der Kopf waren komplett dicht. Heute (Montag) geht es schon etwas besser, aber an Sport oder einen kleinen Jogg ist nicht zu denken. Du kannst Dir gar nicht vorstellen wie mich das nervt und ein klitzekleines bisschen unruhig. Mal sehen was hier bezüglich Laufen und Schwimmen noch möglich ist. Die letzten Wochen konnte ich wirklich gut trainieren und jetzt sowas! Am Sonntag den 8. August werde ich dann nach fast drei Wochen Pause das erste Mal wieder auf dem Rad sitzen und sieben Tage später kommt auch schon Kopenhagen! Das ist alles andere als optimal, aber vielleicht fordert der Körper jetzt gerade eine kleine Pause ein. Aber was soll die ganze Spekulation, wir werden ja sehen was da kommt! Und es kommt eben wie es kommt. Einen Urlaubsbericht gibt es natürlich später in ausführlicherer und persönlicher Form. Die ersten beiden Tage konnte ich nur begrenzt und in einem leicht grippig, benebelten Zustand genießen. Aber ab heute geht es wieder bergauf! Hoffe bei Dir läuft es gut und der Rücken macht keine Probleme!

Schöne Grüße, Maik"


Schwimm-Experte und Pa'a-Supporter Holger Lüning mit Couchpotato-Buch

Uff, da gibt es nur eins, locker bleiben. Nutzt ja jetzt eh nix. Trainiert hat er doch die letzten Wochen sehr anständig, da sollte ihn eine Krankheit nicht aus der Bahn werfen. Positives Denken ist bestimmt ähnlich wichtig auf einer Langdistanz, wie eine gute Form. Es geht nur mit beiden Dingen, richtig gut. Eins alleine nutzt nicht viel. 


Triathlon-Profi, -Coach, Ernährungsberater und Pa'a-Supporter Olaf Sabatschus

Und ab und weiter (bin etwas in Zeitnot in dieser Woche, und das hier wird eine lange Nummer): Radioeins, ein Sender des rbb hat in der vergangenen Woche ein Interview mit mir zum Buch Vom Couchpotato zum Ironman gemacht. Leider muss ich zugeben, dass ich keine Ahnung habe, wie ich den Audio-File hier in den Blog bekomme. Und weil das so ist, müsst Ihr hier klicken, dann könnt Ihr Euch das bei Radioeins anhören. 


Uwe Otto, Physio-Experte und Pa'a-Supporter

Und wie das immer so ist, kommt da eins zu anderen. Und so haben mir Holger Lüning, der im Buch als Experte für Schwimmtraining auftritt, und der Triathlon-Profi Olaf Sabatschus, der als Experte für Ernährung und Renntaktik allgemein am Start war/ist, Fotos geschickt, die sie mit dem Buch zeigen. Und nun habe ich mir gedacht, vielleicht, wenn der eine oder andere Blog-Leser das Buch vielleicht auch hat, könntet Ihr mir doch auch mal Fotos zuschicken, die wir dann hier zeigen können. Ihr könnt ja mal schauen – ich würde mich freuen.  


Dirk, jagt die Pa'a-Challenge: Hammerleistung, ohne Tri-Aufsatz (!)

Wo geht es weiter? Ach ja, zu Dirks Kommentar. Mensch Dirk, Du bist das! Ich wusste gar nicht, dass Du meinen Blog liest. Freut mich aber sehr. Dirk und Rainer sind die Pa'a-Challenge gefahren, und waren auch recht schnell. Wie erwünscht hat Dirk geschrieben, mit welchem Material sie unterwegs waren. Vielleicht sollten wir in Zukunft noch dazu schreiben (siehe Wetteronline), wieviel Wind angesagt war, und aus welcher Richtung. Na egal, die Jungs waren schnell, und dass Dirk keinen Aufsatz hatte, ist nun echt ein Hammer. Wenn er den noch drauf packt, dann kann er vielleicht derjenige sein, der sich irgendwann die Bestzeit schnappt! Wobei, dann müssen die Laufräder wieder wech. Ach nein, es darf ja jeder fahren wie er möchte! So soll es sein. Ich freu mich jedenfalls, wenn mal wieder einer auf dieses "Trainingsgerät" Pa'a-Challenge aufgesprungen ist. Mal ehrlich, dass macht doch Spaß. 


Fürst-Rainer, auch Pa'a-Challenger: Auch sehr gute Leistung!

So habe ich gestern gedacht, dass ich es mal wieder packen könnte. Ich habe echt gedacht, ich könnte eine flache 36er Zeit fahren. Der Wind stand mit NW2-3 gut, und obwohl ich einige Stunden zuvor 12 Kilometer gelaufen war (und mich kaputt fühlte) und den Tag zuvor recht ordentlich 150 Kilometer gefahren war, wollte ich es probieren. Ich habe gekämpft und getreten, gezogen und ventiliert, den Kopf nach unten genommen und meine Beinbekleidung voll gesabbert – am Ende war es wieder nur eine 37:27 Minuten (Schnitt 42,98). Naja was soll's. Hauptsache richtig zerschossen. Auf dem Rückweg war ich jedenfalls froh, dass Sonntag und zusätzlich noch 21 Uhr war, weil sonst die Gefahr bestanden hätte, dass irgendeine Omi mit ihrem Einkaufswagen an mir vorbei schiebt. 

Ach, jetzt bin ich aber eigentlich schon zu weit in der Woche vorgeprescht. Eigentlich wollte ich doch auch zu Matthias Kommentar Stellung nehmen. Ja Matthias, ich weiß, dass im letzten Blog nicht die Rede von Rückenproblemen war. Das ist den Tatsachen geschuldet, dass der Blog fix fertig sein musste, und ich auch manchmal gar nicht mehr darüber sprechen möchte. Dennoch hier eine aktuelle Wasserstandsmeldung: 

Fakt ist, dass ich immer Rückenaua habe, mal mehr mal weniger, und das schon lange Zeit. Aktuell kommt übrigens auch seit drei Wochen noch ein Kribbeln in den Fingern der rechten Hand hinzu, aber das negieren wir hier einfach mal. Fakt ist aber auch, dass es mir in den letzten zwei Wochen tendenziell besser geht! Was bedeutet das? Lasst es mich im Einzelnen durchgehen. Schwimmen, man mag es kaum glauben, ist zumindest auf der 25er Bahn ein kleines Problem. Nach dem Training ist mein Rücken recht angestrengt vom Aus-der-Wand-Drücken, und auch am nächsten Morgen ist es noch schwierig. Aber unterm Strich, okay. Radfahren: Ich kann fahren ohne Ende, und auch Druck machen, so sehr es meine Beine hergeben. Das Problem ist erst das Absteigen, weil ich mich nicht sofort gerade machen kann. Laufen: Der tiefe Rücken ist mitunter sehr angestrengt, aber nach Müller-Meinung, kein Thema, das kann ich wegkämpfen. Das eigentliche Problem wird, so wie ich es heute sehe, die zweite Wechselzone sein. Da muss ich mich irgendwie durch schummeln. Und vielleicht muss ich sogar die erste Kilometer extrem langsam laufen. Aber was soll's. Eine Quali gibt es bei einer Challenge nicht. ich kann mich also ohne Psycho-Druck bewegen, und versuchen, dass Ding so gut es irgend geht zu machen. Wenn es ganz mies läuft, dann wird der Marathon eine Qual (ist er das nicht immer?!); wenn es ganz gut läuft, verliere ich in der Wechselzone fünf Minuten und stiefel dann halbwegs vernünftig los. Also mal ganz ehrlich: Das wird schon gehen. Die Stimmung ist jedenfalls im Moment recht gut. 

Was ich natürlich nicht weiß ist, wie es sich auswirkt, dass ich zwischendurch fünf Wochen überhaupt nicht gelaufen bin, und insgesamt nur auf sechs aufeinander folgende lange Läufe komme, wo ich in den vergangenen Jahren 20 hatte. Aber auch diesbezüglich sage ich: Stimmung gut, das wird schon. Ich weiß auch nicht warum, aber gerade im Moment habe ich keine Angst vor dem Rennen. Und egal wie es kommt, Ihr werdet die Geschichte lesen! So, damit hätten wir das Thema auch, und ich meine, doch recht positiv, oder?! 


Nach getaner Anfeuerung, Stärkung an der Radler-Theke

Dann also mal im Schweinsgalopp durch meine Woche: Am Montag habe ich mir eine Runde auf dem Ironman-Kurs in Roth (ist mir doch egal, ob Ironman oder Challenge) gegönnt. Leute, da kamen viele Erinnerungen auf. Dort die Ecke wo ich mal vom Rad gek.... habe, dort die, wo der Fotograf im Kornfeld saß, und da hinten, die Wellen, wo ich damals wirklich mit einem wahnsinns Druck an einer ganzen Meute Lutscher vorbei gedüst bin. Gut, meine Leistung am Montag war von der damaligen himmelweit entfernt, hat mich aber nicht gejuckt.

Übrigens hatte ich mir den Kurs per gmx.Daten auf meinen Garmin gezogen. Allerdings hat das irgendwie nicht geklappt. Der schickte ich ständig in die falschen Ecken, so viel konnte ich selbst nach neun Jahren Abwesenheit noch erinnern. Ich bin dann dazu übergegangen, einfach den leeren Energie-Gel-Tüten hinterher zu fahren. Ohne Scheiß, Ihr könnt Euch das nicht vorstellen, aber die lagen da alle 30 Meter! Vielleicht sollten die Athleten doch mal wieder drüber nachdenken, ein Oberteil mit Trikottasche auf der Radstrecke zu tragen, denn eine derartige Umweltsauerei, das kann es ja nun auch nicht sein. Und wenn schon nicht die Athleten, dann muss wenigstens der Veranstalter am nächsten Tag einen Jugendlichen mit Moped über die Strecke schicken, der sich um das Dilemma kümmert. 
Übrigens, die Gel-Tüten auf dem Boden und im grünen Seitenstreifen hätte es gar nicht gebraucht – und auch keine GPS-Dingsda. Vielmehr ist die Strecke mit kleinen, rund 7 mal 7 Zentimeter großen Schildchen erstklassig ausgeschildert – das ist mir Hirn aber erst nach der Hälfte aufgefallen. Ähem. 

Und noch ein Übrigens: Als ich am Freitag, fünf Tage nach dem Triathlon in Hamburg, entlang der Elbchaussee joggte, da kam ich mir vor, als sei ich im Landkreis Roth – auch hier überall leere, schmierige Gel-Tüten. Jesses.

Zurück ins Ländle: Als ich nach rund 86 Kilometer wieder in Heideck stand, wo ich gestartet war, wollte ich noch ein paar Kilometer dran hängen, und bin nach Schloßberg gefahren. Und ich sage Euch, jetzt weiß ich warum das Dorf Schloßberg und nicht Schloßburg, -garten, oder -ebene heißt. Gott sei Dank ist das Ding nicht in den Kurs integriert. Echt wahr! 

Jedenfalls war ich nach 110 schönen Kilometer, ganz alleine, ganz in Ruhe, wieder beim Wirtshaus "Unter den drei Linden", bei Willi Speth in Rudletzholz bei Heideck. Ich sage es nur ungern, aber Willi ist der Geheimtipp schlechthin. Ihr bekommt im ganzen Landkreis kein besseres Essen! Ohne wenn und aber! Willi ist gelernter Koch, gelernter Metzger und hat eine Jagd, zudem eine Jagdsammelstelle, weil er ein Kühlhaus besitzt. Eine bessere Kombination gibt es nicht. Da könnt ihr zwei Tage im voraus frisches Wildschwein bestellen! Und bekommt es auch. Außerdem wurstet Willi selbst – ohne irgendwelche Konservierungsstoffe. Ein Traum. Und wenn Ihr demnächst, oder nächstes Jahr bei der Challenge Euren Weg zu ihm findet, dann müsst Ihr ihn von mir grüßen. Ach was, ich sitze dann eh wieder da. Haben Anna und ich schon beschlossen, von jetzt an fahren wir immer nach Roth – und zu Willi. 

Willi und seine Frau Sigi haben uns nach meiner Radtour (fast vier Stunden rauf und runter) dann nach Heideck aufs Heimatfest entführt. Ganz im Ernst, Anna und ich dachten, wir wären nach einer halben Stunde wieder zu Hause. Pustekuchen. Spätestens als ich mein erste Maß vor mir hatte (so kurz nach dem Radtraining), wußte ich, dass ich verloren hatte. Eigentlich wollte ich ein Radler trinken. Aber Willi meinte, ein echter Kerl trinke ein Maß – wobei er sich ein Maß-Cola bestellte (Betrüger). Fünf Maß später hat mich Anna dann aus dem Festzelt gerissen – bevor ich noch eine sechste trinken konnte. Glaubt Ihr, dass ich am nächsten Morgen noch gejoggt bin? Nee, ganz ehrlich, da war nix zu machen. 

Der Dienstag ging somit auch für die Heimreise nach Hamburg drauf. Mittwoch hatte ich indes dann einen wunderbaren langen Lauf. Ich hatte es schon bei Facebook geschrieben: Kennt Ihr das? Ihr lauft los und denkt "heute geht gar nix!". Und zwei Stunden später biegt Ihr um die Ecke zu Hause und fühlt Euch so dermaßen fit – König der Welt! Zudem hatte ich nach fixem Tempo gegen den Wind, auf dem Rückweg von Blankenese nach Hause den Berliner Jörg getroffen, der nicht ganz so schnell wollte/konnte. Und mit ihm machte das richtig Spaß. Jörg, falls Du Dich hierher verirrt hast: Schöne Grüße!

Donnerstag beim Schwimmtraining, das war dann richtig klasse: Keine Sau beim Training. Zu dritte waren wir, wo sonst 25 Mann trainieren. Kein Wunder, dass ich erst nach 4000 Metern aus dem Wasser gekrochen bin – total platt. Der Rest ist schnell erzählt und lässt sich auch in der Wochenübersicht zeigen: 

Montag: 3:45 Stunden Rad; 110 Kilometer (im Ländle) 
Dienstag: Heimreise
Mittwoch: 2:09 Stunden Laufen; 25 Kilometer
Donnerstag: 1:30 Stunden Schwimmen; 4000 Meter
Freitag: 1:05 Stunden Laufen; 12 Kilometer
Samstag: 5:02 Stunden Rad; 150 Kilometer
Sonntag: 1:05 Stunden Laufen; 12 Kilometer (mittags)
Sonntag: 2:37 Stunden Rad; 81 Kilometer (inkl. Pa'a-Challenge: 37:27)

Gesamt: 17:11 Stunden. 

Juut, das war okay, und auch genau so geplant. Die nächste Woche wird wieder weniger. Geht nicht anders, habe einiges um die Ohren. Nun weiß ich nicht, ob Euch das interessiert. Ich habe schon einmal meine Trainingsdaten für 2010 addiert. Ach nee, damit warten wir noch bis kurz vor den Wettkampf. So viel kann ich jedoch sagen. Schwimmen (für meine Verhältnisse so lala okay); Rad in Ordnung; Laufen, die Pest. 

Ejal, Mut zur Lücke. Juut, schreibt mir, ich schreibe Euch. Viele Grüße bis zum nächsten Mal. 

Herzlichst, Euer mathias

P.S.: Das waren mal ne Menge Fotos, oder?! Gott, und ist das späääät. Müde. Nacht. (Veröffentlichung morgen früh)
P.S.: Tschuldigung für die zwei gedrehten Fotos (keine Ahnung, wie das passieren konnte)

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am 29.07.10
 
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von Mathias Müller   
21.07.10

Liebe Leute, 

ach, ich kriege es doch nicht übers Herz. Dann kommt der Blog eben heute am Donnerstag. Sonst wird es nächste Woche ja auch zu voll. Aber ich muss mich kurz fassen. Ich weiß, dass ist im Vergleich zu den letzten Wochen dann nur ein kurzes Lese- und Stöberstück, aber am Dienstag geht es ja dann wieder weiter. Also in aller Kürze, los geht's: 

Zuerst eine kleine Mail von Martin aus Wien, die mich sehr gefreut hat: 

"Hey Mathias,
habe heute dein neues Buch gg 18.00 Uhr von der Post geholt, gg 18.30 angefangen zu lesen und nun bin ich leider schon durch (Expertenbeiträge sind aber noch offen) mit der Geschichte.
Sehr sehr toll geschrieben und es war für mich ein sehr emotionales Erlebnis. Konnte mich nur zu gut in das Team hineinversetzen, denn mein erster Ironman ist noch nicht zu lange her.
Also nochmals Gratulation zum tollen Buch!! Echt sehr sehr gut gelungen.
Hoffe bei Dir ist alles Ok und die Vorbereitung auf Kopenhagen läuft gut??
Lg aus Wien, Martin"

Ach, immer wieder schön zu hören, dass das was man so angerichtet hat, den Leuten draußen gefällt. Schön, – und danke an Martin (Ihr erinnert Euch, Martin war in Frankfurt am Start gewesen und hatte das Ding in um die 11:11 nach Hause gebracht. 

So, dann war ich ja am Wochenende in Roth gewesen. Ihr müsst heute damit Vorlieb nehmen, dass ich die Erzählungen im Großen und Ganzen erst nächste Woche auftische. Bergedorf-Björn war ja dort am Start, und Anna und ich waren runter gefahren, um ihn anzufeuern. Vor Ort waren auch Björns Bekannte Antje und seine Eltern Heike und Jens, und wir hatten zusammen ein riesen Spaß. Aber wie gesagt, dazu nächste Woche mehr, denn ich habe heute einfach nicht die Zeit, die Fotos hoch zu laden. Nur so viel: Wenn man nach dem Radfahren schon in beiden Oberschenkeln Krämpfe hat, und sich dennoch ohne Gehpausen durch den Marathon haut, dann zeugt das von einem echten Kämpferherz. Und genau das hat Björn gemacht. Ohne Scheiß, seine 10:41 Stunden sind viel mehr wert, als es diese Zeit zeigt. Ich jedenfalls ziehe meinen Hut! – wie gesagt, nächste Woche mehr. 

Also über die Abkürzung. Wenn Ihr diesen Link hier drückt, dann seht Ihr das lahmste Video, was Ihr je von einem Triathlon-Rennen in Roth gesehen bzw. gehört habt. Die Sprecherin sollte man verklagen. Aber es lohnt sich, die Sache mal anzusehen/anzuhören. Echt wahr! 

Dann habe ich hier noch ein Video über das Rennen aus Frankfurt gefunden. Vielleicht habt Ihr ja Lust, Euch das anzusehen. Kann ja auch zur Motivation dienen: 

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Was ich noch gefunden habe, ist ein Interview mit Sebastian Kienle, der in Roth sein erstes Langdistanz-Rennen abgeliefert hat, und – wie Ihr vielleicht alle mitbekommen habt – gleich Zweiter (hinter dem Dänen Rasmus Henning) wurde und unter 8 Stunden (!) geblieben ist. Schaut Euch das Video mal an: 

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Also mal ehrlich: Mehr Ehrlichkeit, Offenheit und Bescheidenheit geht fast nicht mehr. Meiner Meinung nach zeigt der Bursche in dem Interview echt Größe, läßt er doch vor allem die Konkurrenten hochleben, und nicht sich selbst – obwohl er eine fantastische Leistung geboten hatte. Da wächst ein Großer Athlet heran, und das eben nicht nur aufgrund seiner Leistung, sondern (hoffentlich bleibt das so) vor allem aufgrund seines Sportsgeistes und Fairneß-Denkens. Cooler Typ! 

Dann kann ich noch in aller Kürze sagen, dass Pa'a-Martin derzeit bei der Bike-Transalp unterwegs ist – und leidet. Hier ein kleiner Text aus seiner Facebook-Seite: 

 

"The BIKE transalp race: so incredibly tough and exhausting! Hard to find words for that... Forget Ironman races, feels like pussystuff compared to this. But anyway, I am feeling better and that's such a relief!:-) Still 5 more days till Riva del Garda."

Darauf antwortete ich ihm: "Martin, Pussystuff, soso - ich kann mich an Momente erinnern, da hat Dir der Pussystuff ganz schön den Zahn gezogen.

Und er: "Mathes:Hier zieht mir jeder einzelne Tag mehrere Zaehne!So anstrengend! Lieben Gruss nach HH!"

 

Also, die Sache da unten ist echt hart! Gestern hatten Martin und sein Freund Lars ihre Etappe nach 9:30 Stunden beendet. Hallo?! 9:30 Stunden?! Tja, so war es. Kein Wunder, dass die Beiden abends hundemüde in ihre Laken sinken. Nun ja, als ich vor zwei Jahren erzählte, dass so eine Transalp ein ziemlicher Hammer ist, da wollte mir noch keiner glauben. Und jetzt ist Ironman plötzlich Pussystuff. Die Wahrheit liegt wohl dazwischen, und fühlt sich wohl auch für jeden Teilnehmer anders an. Ich zum Beispiel würde während einer Transalp wohl wahrscheinlich keine Muskulären Zusammenbrüche erleben, im Ironman indes, ist die muskuläre Belastung immer an der absoluten Grenze. Dafür ist der Ironman jedoch nach einem Tag gegessen, während man bei der Transalp jeden Tag, und immer wieder ran muss. Hinzu kommt, dass bei der Bike-Transalp (Mountainbike) nicht nur das bergauf Fahren, sondern auch noch die Abfahrten sau anstrengend sind. Nix Erholung, volle Konzentration! Zuckerschlecken ist anders. 
Dennoch sieht man auch bei einer Transalp immer wieder Leute, welche die ganze Zeit mit einem Lächeln auf dem Gesicht radeln. Würden sie das auch bei einem Ironman machen? Wer weiß es. Ich hoffe, Martin macht mal ein paar Zeilen, um uns seine subjektive Sichtweise in der kommenden, oder der darauf folgenden Woche näher zu bringen. 

So, jetzt aber eine Schalte zu Maik:  

 

"Hallo Leute,

hier kommt der letzte Bericht aus Reinbek bevor es am Freitag für zwei Wochen mit der Familie in den Urlaub geht. Natürlich werde ich versuchen, von dort aus zu berichten. Hoffentlich nicht wie ich fetter und fetter werde und mir meine Form mit Fastfood ruiniere, sondern von ein paar schönen Laufeinheiten in Kalifornien, und eventuell ein paar geschwommenen Bahnen im Hotelpool. Der Urlaub liegt terminlich natürlich nicht besonders geschickt was Kopenhagen betrifft.  Nach unserem Urlaub habe ich nur eine Woche Zeit den Jetlag zu verarbeiten und eventuell noch ein oder zwei Radeinheiten zur Wiedereingewöhnung zu absolvieren. Das muss dann reichen. Vielleicht hat Mathias noch ein paar Tipps wie ich dann, in den verbleibenden acht Tagen bis zum Wettkampf, meinen Körper wieder ans Rad gewöhne beziehungsweise das Radgefühl schnellstmöglich wieder bekommen kann. Im Urlaub werde ich auf jeden Fall versuchen die beiden langen Läufe zu machen, aber Radfahren wird nicht drin sein, und will ich der Familie auch gar nicht zumuten.


Maik runter gekommener Flaschenhalter mit Gummisicherung

Aber nun zur aktuellen Woche. Diese Woche kann ich auf rund 60 Laufkilometer zurück blicken. Ursprünglich war am Mittwoch ein langer Lauf geplant, aber wir (Kopenhagen Staffelstarter Ralph und ich) mussten den Lauf aufgrund von Hitze, Ozon und Kreislaufproblemen abbrechen. Am Donnerstag sind wir dann drei kurze 8,7 Kilometer Runden gelaufen, konnten dafür aber jeweils eine neue Radflasche, Gel bei mir im Carport greifen. Mich wunderte dass sich der Lauf doch so locker anfühlte, obwohl ich die beiden Tage zuvor auch schon gelaufen bin.


Torsten muss wechseln

Am Samstag ging es dann mit Thorsten auf die gewohnt frühe und lange Radrunde. Dieses Mal wollte uns wohl irgendwer testen. Testen wie wir mit Pannen umgehen. Nach zirka 40 Kilometern knallte und schepperte es plötzlich hinter mir. Klaaatsch! Der Getränkehalter hinter meinem Sattel war samt Rad- und Werkzeugdose auf die Strasse geklatscht. Die Schrauben und Teile zur Befestigung haben wir dann leider auch nicht wieder gefunden. Notdürftig habe ich den Halter dann mit einem Gummiband befestigt und mir die Werkzeugdose ins Radtrikot gestopft.
Thorsten hatte dann auch noch einen Plattfuss, sodass wir gleich noch schnell einen Schlauchwechsel üben konnten. Dann hatte ich noch ein Problem mit dem Schalthebel vorne am Aero-Lenker, aber dadurch haben wir uns überhaupt nicht aus der Ruhe bringen lassen. Denke wir haben damit den kleinen Pannentest bestanden. Ach, noch was aus der Rubrik Pannen. In der Nacht zum Sonntag knallte es irgendwo in der Wohnung. Da der Hund aber ganz ruhig war, dachte ich mir nichts dabei beziehungsweise war ich auch viel zu schlaftrunken. Am nächsten morgen, als ich ins Badezimmer schlurfte, musste ich feststellen dass sich unser Badezimmerspiegel selbstständig gemacht hatte. Damit habe ich mein Kontingent an Pannen für Kopenhagen hoffentlich aufgebraucht.


Spieglein, Spieglein auf dem Waschbecken

Sonntag gab es dann eine Radeinheit mit eingebauten 30 Minuten Sabbermodus und einem kurzen, zügigen Lauf am Abend. Dazwischen habe ich natürlich den Live-Stream der Challenge Roth verfolgt und (Bergedorf-)Björn die Daumen gedrückt. Der Junge hat dort seine erste Langdistanz gefinisht, und gleich eine richtig tolle Zeit hingelegt. Aber dazu wird Mathias sicherlich Einiges zu berichten haben.

Bis dahin
schöne Grüße, 
Maik

Montag: --
Dienstag: 0:50 Stunden Laufen; 11,3 Kilometer
Mittwoch: 1:17 Stunden Laufen; 13,8 Kilometer
Donnerstag: 2:31 Stunden Laufen; 26,1 Kilometer
Freitag: 1:00 Stunden Schwimmen; 2.200 Meter
Samstag: 5:25 Stunden Rad; 155 Kilometer
Sonntag: 3:20 Stunden Rad; 105 Kilometer
Sonntag: 0:40 Stunden Laufen; 8,8 Kilometer

Gesamt: 15:03 Stunden"

 

Wieder eine gute Woche für Maik. Und damit ist der Grundstein dann auch gelegt. Sicher ist es nicht optimal, jetzt zwei Wochen mit dem Radeln auszusetzen, ein Beinbruch wird es jedoch auch nicht sein. Die Hauptarbeit ist getan, und wenn er es hinbekommt, im Urlaub zu Laufen (und keine Aufzüge zu benutzen!) und zu schwimmen, dann sollte es alles machbar sein. Ein Gegengedanke: Was wäre, wenn er sich hier ein Sommergrippe einfängt und 10 Tage gar nicht trainieren kann? Da ist ein Amerika-Urlaub allemale besser. 

Und was war bei mir los? Eine normale Woche, die – ich glaube wie angekündigt – wieder etwas schmaler als die letzte (19 Stunden) ausfiel. Dies lag an meiner Reisetätigkeit, und hitzebedingter Unlust. Insgesamt komme ich auf drei Ruhetage in der vergangenen Woche. Jo. 

Herauszunehmen sind eigentlich nur der Dienstag, der Freitag und der Samstag. Warum? Der Dienstag, weil ich nicht nur morgens gelaufen bin, sondern am Nachmittag auch noch eine Pa'a-Challenge in 39:04 Minuten abgegeben habe. (Wind: N2). Das war ganz ordentlich. Klar, eine 36 wäre schöner gewesen, ist aber eben nicht immer machbar. Da spielt der Wind eben auch eine Rolle. Übrigens: Mit Fürst-Rainer und Dirk Radke haben sich jetzt zwei weitere Athleten auf die Challenge gestürzt: Dirk hat einmal eine 38:04 hingehämmert, und Rainer eine 39:24 – auch stark. Über die Windverhältnisse und Räder, nebst Laufräder weiß ich leider nichts. Außer, dass die Beiden den Deich andersherum gefahren sind, weil eben von dort der Wind in den Rücken blies. Also, starke Leistungen, die noch besser werden könnten. Der nächste Sturm kommt bestimmt. 

Am Freitag bin ich dann mit Enka eine Runde gelaufen. Enka kennt Ihr alle aus dem Blog. Sie lebt seit drei Jahren in Melbourne und war gerade hier unterwegs, was wir zu einem gemeinsamen Jogg genutzt haben. Das hat sehr viel Spaß gemacht, wobei ich da mächtig schnaufen musste, weil Enka einfach ein ziemliches Pfund drauf hat. Nun ja, musste ich halt mal schneller als sonst – hat auch nicht geschadet. 

Und am Samstag bin ich dann auf halbem Weg nach Roth in Linz am Rhein eine Runde in unbekanntem Terrain gefahren. Auch das hat sehr viel Spaß gemacht, fern ab von den ausgetretenen (Deich-) Pfaden. 

Meine Woche: 

Montag: Ausspannen
Dienstag früh: 1:05 Stunden laufen; 12 Kilometer
Dienstag nach Mittag: 2:30 Stunden Rad; 78 Kilometer (39:04 Pa'a-Challenge)
Dienstag abends: 1 Stunde Schwimmen; 2200 Meter
Mittwoch: 2 Stunden Laufen; 23 Kilometer
Donnerstag: Frei
Freitag: 1:05 Stunden Laufen; 12 Kilometer (mit Enka) 
Samstag: 3:11 Stunden Rad; 91 Kilometer
Sonntag: Challenge in Roth zugucken

Gesamt: 10:50 Stunden; das ist in Ordnung.

So, liebe Leute, das war es nun in aller Kürze von hier. Wir sehen/hören/lesen uns nächste Woche wieder.

Bis dahin, herzlichst, Euer mathias 

Zuletzt aktualisiert am 22.07.10
 
Verspätung des Blogs PDF Drucken E-Mail
von Mathias Müller   
16.07.10

Liebe Leute, 

der nächste Blog kann aufgrund meines Aufenthaltes in Roth erst am Donnerstag erscheinen. Hier ist einiges zu tun, und wenn ich noch trainieren soll, dann muss ich mir den Blog in dieser Woche sehr kurz halten – siehe oben. Ich hoffe, Ihr habt Verständnis. 

Herzlichst, Euer mathias

Zuletzt aktualisiert am 22.07.10
 
Auf die harte Tour PDF Drucken E-Mail
von Mathias Müller   
09.07.10

Liebe Leute,

gut, dass es nicht heiß ist in Deutschland, sonst könnte man ja nicht vernünftig trainieren. Äh, oder so. Also das Training mal bei Seite, muss ich feststellen, dass ich gerade hier an meinem Schreibtisch wegschwimme, -fließe. Puhhuuuuuhu. 

Aber wer ein echter Ironman (manchmal auch mit echter Verrückter, Dummer, Holzkopf zu übersetzen) sein will, der darf sich natürlich nicht abhalten lassen. Naja. Der Witz ist, auf die, bei diesem Wetter angenehmste Sportart, habe ich diese Woche mal wieder komplett verzichtet. Toll ist es nicht, dass ich jetzt schon drei Wochen nicht mehr schwimmen war, aber zuerst machte der Rücken nicht mit, dann die Lust. Ähem. Dazu später mehr. 

Lassen wir mal die vielen Kommentare Revue passieren. Zu Dirk: Nein, so leicht kann ich mir die Sache wohl nicht machen. Ich wollte ein Rennen in diesem Jahr machen, und wenn es irgend geht, ziehe ich es durch – zumal es den Status Quo auch nicht verschlechtern würde, wie der Doc meint. Übrigens, ob da nun eine PB (persönliche Bestzeit) bei raus springt oder nicht, dass ist mir echt Jacke. Persönliche Bestzeiten sind 1. nicht wirklich ernst zu nehmen, weil man nie auf der gleichen Strecke die gleichen Verhältnisse bekommt. So hatte ich 1997 und 1998 die gleiche Zeit in Roht, 1998 war ich aber 100 Plätze weiter vorne. 2. Mit zunehmendem Alter muss man sich eh damit abfinden, dass das Bestzeiten-Toppen irgendwann ein Ende hat. So what?! 

Zu der Startgeld-Diskussion: Peter sagt, man werde ja nicht gezwungen, in Frankfurt teilzunehmen. Nun ja, bei irgend einem Ironman-Rennen muss ich aber teilnehmen, wenn ich mal nach Hawaii möchte. Insofern gibt es da schon ein gewissen Zwang. Und es gibt eben immer mehr Rennen, die nicht einmal mehr eine Startgeld-Versicherung anbieten. Übrigens: Im vergangenen Jahr hatte Anna eine solche Versicherung für Klagenfurt – ich glaube, die Kohle ist bis heute noch nicht wieder im Hause Müller. Also vorsicht!

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass der Markt die Mittel bestimmt. Und es gibt eben genug Sportler, die dieses Startgeld in Kauf nehmen. Und wie schon gesagt, wer das nicht möchte, der kann immer noch in Hückeswagen starten. Mit dem Nachteil, dass er somit nicht universell messbar ist. Denn niemand (verallgemeinernd) kann die Leistungen in Hückeswagen einschätzen. Eine bestimmte Zeit bei einem Rennen wie Frankfurt, Klagenfurt oder Zürich ist indes gut vergleichbar (annähernd). 

Nun komme ich zu Andi, der meint, jeder solle doch fahren, wozu er Lust habe. Jau, ganz meine Meinung. Ich hatte ja schon gesagt, dass ist eh ein bißchen wie das mit den älteren Porsche-Fahrern. Und ein gutes Zeitfahrrad kann ja auch Zeit bringen. Ein Aerohelm hingegen nur im Windkanal oder bei zwei von hundert Profis. Weil eben niemand den Kopf so diszipliniert hält, dass er in die Vergünstigung der Technik kommt. Und schon sind wir wieder bei den platt geschlagenen Carbon-Feilen. Sicher motivieren diese, und wer es sich leisten kann, soll sie auch fahren. Nur sollte sich auch hier jeder Amateursportler ernsthaft hinterfragen, ob er zum Beispiel eine Position, wie sie einige Feilen anbieten (vorgeben) überhaupt so fahren kann, dass es ihn nach vorne bringt. Oder wird er vielleicht sogar vom Material überfordert? Um es kurz zu machen: Gibt mir eine Kohle, habe ich morgen einen echten Racer hier stehen. (zusätzlich zu meinem geliebten und wunderschönen Astra). Dennoch sollten einige Athleten überdenken, ob sie die Investition nach vorne bringt. 
Und die Helme: Ihr kennt ja meinen Lieblingssatz. Aerohelm tragen, aber zum Pinkeln anhalten. Nun kann ein Athlet natürlich sagen, er hält eh an, ob er einen A-Helm trägt oder nicht. Für mich fällt das jedoch unter Leistungsoptimierung. Es gibt einfach Dinge, mit denen man mehr erreichen kann, als mit einer solchen Investition. Aber gut, dass ist eine Endlosdiskussion. 

Für mich gilt abschließend: Aerohelm soll tragen, wer sich zutraut, den Kopf über 5 Stunden lang diszipliniert so zu halten, dass der Helm was bringt. Zum Pinkeln sollen diejenigen anhalten, die ohne Zeitvorgabe oder Ziel (Quali, Sieg) finishen möchten. Oder diejenigen, die so gut sind, dass sie trotz Pinkelpause gewinnen oder sonstiges Ziel erreichen. (Herzlichen Glückwunsch). Einen Zeitfahrrahmen soll fahren, wer davon nicht überfordert wird (ohne weitere Einschränkung). Schlauchreifen soll fahren, wer sie zügig wechseln kann. Und so weiter und so fort. Mal im Ernst, Highheels sehen auch doof aus, wenn die Dame darüber dahin wackelt wie ein betrunkener Fußballfan. 

Zu Fabian: Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen. Jan Ulrich hat damals gewartet, weil es ein ungeschriebenes Gesetz gibt, welches besagt, dass man auf einen Kontrahenten wartet, wenn er unverschuldet Zeit verliert. Das ist keine Dummheit sondern Sportsgeist (wenn wir das ganze Thema Doping mal hinten an stellen, was mit Sportsgeist nix zu tun hat). Timo Bracht hat jedoch einen anderen Sportler umgefahren, und ich oder Du hätten dafür die Rote Karte gesehen! Das hat nix mit Chance-Suchen zu tun. 

Also Thema Timo Bracht in Frankfurt: Hier ist das Video welches die Situation zeigt, über welche wir hier seit einer Woche sprechen: 

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So, jetzt kann sich jeder mal ein Bild machen. Hier kommt meines: Vorab möchte ich sagen, dass ich Timo Bracht nach allen Interviews, in denen ich ihn bisher gesehen habe, als sehr fairen und freundlichen, um nicht zu sagen sympathischen Athleten betrachte. Zudem stehen meiner Meinung nach die Zuschauer verboten weit in die Strecke, und auch die zwei Fotografen gehören da meiner Meinung nach nicht hin. 
Dennoch, oder gerade darum hat Timo hier einen dicken Fehler gemacht. Hätte er mit dem Überholvorgang bis hinter die Gefahrenstelle gewartet, hätte ihn das wohl zwei Sekunden gekostet. Die hätten den Braten nicht fett gemacht. Nun habe ich die ganze Woche über gedacht, dass ich es verstehe, dass er diesen Fehler gemacht hat. Der Typ steht unter Druck, es ist laut, Hetze, Hetze, muss vorbei, krach. Kein Thema, kann ich nachvollziehen. Dennoch ist es ein Fehler gewesen, und ich hätte gehofft, dass er sich in einem der ersten Interviews zumindest kurz an den vermeintlich gestürzten Athleten wendet, und sagt, dass es ihm leid tut. Wie gesagt, so meine Gedanken. 

Mittlerweile hat er genau das getan, wie ihr hier lesen könnt. Ich weiß nicht, ob er es erst gemacht, als er merkte, wie sehr darüber diskutiert wurde, oder schon vorher. Er hat es getan, und gut. Wie sich solche Dinge entschärfen, bzw. verhindern lassen, darüber müssen sich die Veranstalter Gedanken machen – alle. Denn solche Szenen finden in ähnlicher Weise nicht nur in Frankfurt statt. 

Und dann war da noch das Ding, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben bei Youtube kommentiert habe. Und zwar habe ich dort geschrieben, dass Brachts Manöver nicht okay war. Nicht mehr und nicht weniger. Da kommentiert "braechtig", dass da eben ein Führungsfahrzeug hätte sein müssen, was mich zu der spitzfindigen Frage verleitet, ob jetzt jeder ein Führungsfahrzeug zur Seite bekommt, oder nur der Führende? Raelert hatte, so glaube ich, eines. Naja, die weitere Diskussion habt Ihr ja vielleicht schon beim Video-Gucken gesehen. 

Juut, haben wir das auch. Jetzt kommen hier noch ein paar Stimmen aus Frankfurt von den Blog-Lesern, bzw. Teilnehmern in Frankfurt:

Fangen wir mit Nina an, die unglaubliches erlebt hat:

 

"Hey Mathias,

sodelle ich will mal berichten, wie es Toby und mir in Frankfurt so ergangen ist….Das war so gar nicht unser Tag, ehrlich! Dabei waren wir echt guter Dinge, hatten fleißig trainiert. Frankfurt sollte DAS Saisonhighlight werden. Dass es bei uns beiden nicht geklappt hat, ist wirklich ärgerlich. Toby hat das Neoverbot zu schaffen gemacht. Er hat ja eine Insulinpumpe, und damit die funktioniert, hat er stets eine kleine Nadel im Bauch. Unter dem Neo ist die besser geschützt vor Tritten und Stößen und davor, dass sich der Kleber im Wasser löst. Also hat er seinen Bauch in mehrere Lagen Tape gekleidet und gehofft, dass alles hält. Hat es auch einigermaßen - trotzdem ist es irgendwie nicht rund gelaufen für ihn: Sehr dichtes Feld, viele Tritte, kein Wassergefühl, die Sorge wegen der Nadel. Er war gar nicht zufrieden und ist schon angefressen aufs Rad gegangen. Die erste Runde lief fein. Doch in der zweiten fehlte der Punch. Der Puls ging nicht hoch, nicht wirklich Druck auf dem Pedal. Toby lag deutlich unter seinen eigenen Erwartungen. Zurück in Frankfurt hat er zwar die Laufschuhe noch angezogen, aber das Projekt Ironman nach ein paar hundert Metern gesteckt. Scheibenhonig! So lange trainiert, so viel Energie, Zeit und Geld reingehängt - und dann geht es am Tag X gar nicht…..

Schwimmen hat bei mir einigermaßen geklappt. Zwar fünf Minuten langsamer als im Vorjahr, aber das schiebe ich mal aufs Neoverbot. Auf dem Rad hatte ich richtig Spaß! Toby hatte mir seine Scheibe geliehen und mit dem Ding fühlt sich selbst jemand wie ich wie ein kleiner Radgott. Klingt einfach zu fein, wenn man die Scheibe antritt….wuuusch!! Nun ist Frankfurt auch ein recht flacher Kurs, was mir als Bergniete zupass kam. Und ich hatte gute Beine, die erste Runde nur so vorbeigeflogen. Auf der zweiten hatte ich dann zwar bisschen mit einem zugeschnürten Magen zu kämpfen, die Hügel fuhren sich nicht mehr ganz so locker. Trotzdem habe ich mich um eine dreiviertel Stunde gegenüber dem Vorjahr verbessert. Tschaka!! Laufen fiel mir schwerer. Beine aus Beton. Aber: Die Motivation war da! Ich musste nicht gehen wie letztes Jahr. Und würde auf jeden Fall schneller sein als 2009, dachte ich. Wenn da nicht in Runde drei ein Sanitäter gewesen wäre…Der hat mich nach etwa 28 km an der Schulter gepackt, rausgenommen - und das wars. Verrückt, oder? Die Begründung: Wenn ich weiter gemacht hätte, wäre ich umgefallen. Im Sanizelt habe ich eine Infusion bekommen. Für mich unnötig. Denn: Ich habe mich gut gefühlt. Die Werte - Blutzucker, Blutdruck, Puls - waren alle top. Kein Grund, mich aus dem Rennen zu nehmen. Aber: Sobald der Arzt einen von der Strecke holt, steht da "disqualifiziert". Keine Chance, das Rennen dann noch zu beenden - auch wenn ich die restlichen Kilometer in der verbliebenen Zeit locker gepackt hätte. Schiete!! Verstehe ja, dass der Arzt nur seinen Job macht, im Zweifelsfall lieber einen zuviel als einen zu wenig raus nimmt. Aber: Hat er überhaupt eine Vorstellung, wie viel Energie und Streben er in so einem Moment kaputt macht? Und warum hat er mich nicht "auf eigenes Risiko" entlassen können...Tss nun habe ich ein Jahr trainiert - für nix…Ein paar Tage nach dem Rennen sind Toby und ich noch immer ordentlich niedergeschlagen. Und überlegen, wie wir diese Saison noch ein (Langdistanz-) Highlight setzen können. Mal schauen.

Liebe Grüße nach Norden! Und noch mal Glückwunsch zum Buch! 
Nina"

 

Also ehrlich, so was habe ich noch nicht gehört. Nina wird aus dem Rennen genommen, obwohl sie nicht getorkelt ist, sich nicht dort hingesetzt hat, nix. Einfach so. Sie war nicht sehr schnell, ja das stimmt. Aber als sie bei mir vorbei kam, war sie eine der wachsten überhaupt zu diesem Zeitpunkt. Alles war unter Kontrolle. Ohne Flachs, ich würde mich beschweren. Ich meine, wie wir oben schon gesagt haben, der Spaß hat über 400 Euro gekostet! 

Hier nun Tims Bericht. In aller Kürze – die lange Version könnt Ihr in den Rennberichten finden: 

 

"Hey Mathias!

Sonntag stand für mich mein 1. Ironman an. Aufgrund der relativ hohen Temperaturen in und um Frankfurt in den letzten Wochen gab es Neoverbot und so sprang ich pünktlich um 7 Uhr im Zweiteiler in den Langener Waldsee. Nach 1:05 Stunden war für mich das Schwimmen vorbei. Eine gute, aber auch lockere Zeit, da ich vom Schwimmen komme.


Tim beim Abholen des Rades

Danach ging es auf das Rad, wo ich bloß nicht überziehen wollte. Leider merkte ich, dass ab Kilometer 90 mein Magen nach 1,5 Jahren PowerBar-Nutzung auf einmal dicht machte und ich weder Essen noch Trinken in ihn reinbekommen konnte.

Kilometer 110 bin nich deshalb für 50 Minuten vom Rad abgestiegen, da mir so schlecht war und die Magenkrämpfe so immens, dass ich kurz vorm Aussteigen war.

Irgendwie ging es dann doch, sodass ich nur noch auf dem Oberlenker fahrend ganz locker mit Wasser und Pepsi-Wasser-Gemisch trinkend die 185 Kilometer vollendet habe in 6:57 Stunden. Reele Fahrzeit war 6:03 Stunden, und somit nur 30 Minuten langsamer als meine gewünscht Zeit.

Die 1. Laufrunde lief nach einem kurzen Startproblem relativ gut. In der 2. Runde kamen dann allerdings meine Magenkrämpfe wieder so stark, dass ich bis auf ein paar Ausnahmen in Runde 3 und 4 den Marathon durchgewandert bin, und ich mich nur mit Wasser und ein bisschen Pepsi, sowie 4 Salzbrezeln und 2 Bananenstücken verpflegt haben. Der Magen wollte partu nicht, aber Kopf und Körper schon, also habe ich meinen Ironman eben langsam bestritten.


Tim beim Zieleinlauf – Herzlichen Glückwunsch!

Somit habe ich in 14:10 Stunden gefinisht und bin sehr, sehr stolz darauf. Wer kann schon behaupten mit 20 Jahren, Ironman zu sein und von den 14 Stunden Wettkampf 10 Stunden Magenkrämpfe gehabt zu haben?

Ich schon! Wille ist eben doch Alles!

Liebe Grüße, Tim"

 

Unser Tim, borrr. Also ehrlich, ich weiß nicht, ob es lobenswert ist, wenn man mit solchen Krämpfen das Rennen/Gehen nach Hause bringt. Oder ob es vernünftig ist. Aber mit der Vernunft, und das weiß ich nur zu gut, ist es so eine Sache in diesem Sport. Und ich muss sagen, dass ich es granaten stark von Tim finde, dass Ding zu Ende gemacht zu haben. Und das nicht wegen der Krämpfe oder Schmerzen. Vielmehr bin ich beeindruckt, dass Tim sein wichtigstes Ziel nie aus den Augen verloren hat. Mal ehrlich. Der Junge ist normalerweise mit seinen 20 Jahren topfit. Und wenn er Rad fährt, dann richtig flott, und ebenso wenn er läuft. Nun musste er erkennen, dass er seine normaler Leistung in Frankfurt bei weitem nicht abrufen kann. Und dennoch macht er die Kiste fertig. Mal ehrlich, wer von Euch macht weiter, wenn er zwischendurch 50 Minuten neben seinem Rad sitzt?! Anna vielleicht, die hat sich auch auf Lanzarote ein paar Minuten neben ihr Bike gelegt, um auszuruhen. Aber wer von Euch würde es tun? Wo viele doch schon keine Lust mehr haben, wenn sie nur einen platten Reifen beheben müssen. Manche nehmen schon gar keine Ersatzreifen mehr mit!

Und darum ziehe ich vor Tim den Hut. Echt war. Unser jüngster hatte in der Vergangenheit immer mal durchscheinen lassen, dass er ein wenig verbissen ist. Maik und ich hatte darüber des öfteren gesprochen. Aber einen Ironman so zu beenden, dass hat nichts mit Verbissenheit zu tun, vielmehr schon mit einer extremen Lockerheit! Tim, Du weißt, es kommen bessere Zeiten. Also weiter so. Nur einen Rat würde ich Dir gerne mit auf den Weg geben: Versuche doch die nächsten paar Jährchen erst einmal an Deiner Grundschnelligkeit zu arbeiten, bevor Du Dich auf das Ironman-Training versteifst. Davon würdest Du mit Mitte 20 sicher stark profitieren. Ach, wir sprechen mal irgendwann in Ruhe drüber. Viele Grüße, und Hut ab.

Hier kommt noch was von Martin aus Wien:

"Hey Mathias,

zunächst vielen vielen Dank für die Unterstützung letzte Woche in FFM vor Ort! War eine tolle Sache von Dir!

Wie du in dem Blog geschrieben hast, will ich die kurz ein Update geben, wie es mir ergangen ist.

Witzig fand ich, das du es schon treffend geschrieben hast, Yeap, gegen Ende ist mir schon arg die Luft ausgegangen. Ich war einfach satt und die Beine waren und wurden von heftigen Krämpfen geplagt. Ging dann echt nicht mehr viel und somit habe ich auch nur noch sehr langsam laufen können.

Aber ich habe das Ding in 11.11 Stunden ins Ziel gebracht. Das war mir das Wichtigste! War trotzdem ein tolles Erlebnis für mich und ich bin jetzt noch schwer begeistert.

Leider hatte ich am Sonntag nicht den ganz perfekten Tag. Ab Kilometer 110 ist mir sehr schlecht auf dem Rad geworden. Irgendwas war wohl nicht in Ordnung, und ich konnte ab da kaum noch was essen. Auch wollte ich schon anhalten und den Finger – naja – damit wenigstens der Brechreiz etwas weniger wird. Ist dann aber auch so gegangen.


Wien-Martin, geschafft aber froh

Beim Laufen war ich dann wohl am Anfang auch etwas zu schnell unterwegs und konnte meine pace bald nicht mehr halten. Dann habe ich auch noch Magenprobleme bekommen und später hatte ich dann sehr heftige Krämpfe. Naja und dann war mir alles egal und ich wollte nur noch ins Ziel.

So, das soll es mal kurz aus Wien gewesen sein. Der lange Bericht kommt noch. Aber wie du es schon gesagt hast, der Fußball und das tolle Wetter fordern ihren Tribut.

Lass es dir gut gehen und weiterhin eine gute Vorbereitung!!

Bb, Martin" 

Hm, schon wieder einer mit Magenkrämpfen. Sehr merkwürdig. Aber 11:11 Stunden sind nun wirklich nicht schlecht. Vor allem freue ich mich, dass die beiden überhaupt ins Ziel sind, hatte ich sie doch, als ich an der Strecke stand, schon gesucht, vermisst, abgeschrieben. Also herzlichen Glückwunsch Euch beiden zum Ironman. 

Und dann haben wir noch Blogleser Heiko Ottow aus Hamburg, der sich ebenfalls irgendwie an mir vorbei geschummelt hat. Auf geht's: 

"Es war heiß, sehr heiß. Aber der Reihe nach:

Wie immer begann der Morgen eines Ironmans in Frankfurt mit sehr sehr frühem Aufstehen. So klingelte der Wecker um 3:30 Uhr und um 4:30 Uhr ging es mit meiner Frau los zum Langener Waldsee, wo das Schwimmen stattfinden sollte. Unser Hotel lag gegenüber vom Abfahrtsort der Shuttle-Busse, so das es sehr schnell in Richtung See ging. Am See angekommen wurde (wie immer) in Ruhe der Wechselplatz eingerichtet, die Dixies besucht und dann mit Musik der Fetten Brote noch einmal die Wechselzone vom Schwimmen zum Rad abgegangen. 

Kurz nach dem Start der Profis plus 300 Age-Grouper ging es ins Wasser. Diesmal und für mich zum ersten Mal ohne Neo. Bin zwar die Strecke von 3,8 Kilometer noch nie ohne Neo geschwommen, aber das intensive Schwimmtraining der letzten Wochen machte mich für diesen Part stark. Dann ging es los und ich konnte durch stetiges „Wasserball-Kraulen“ mir immer einen guten Weg suchen, aber den einen oder anderen Tritt/schlag konnte ich nicht ausweichen. Bein nächsten Mal will ich auch in die erste Startgruppe ;-). Beim Landgang kurzer Check der Zeit: Alles Gut. Habe dann ein wenig Tempo rausgenommen und bin im Soll mit einer flachen 1:05 Stunden aus dem Wassser gekommen. Dann ab zum Wechseln. Dieser lief sowie der zweite Wechsel grandios. 

Auf dem Rad lief es bis Frankfurt klasse. Gefühlt immer über 35 km/h bei sehr gutem Puls, schon jetzt deutlich geringer als letztes Jahr. Dann passierte aber etwas, was mich wohl mental blockiert hatte. Eine Bodenwelle/Schlagloch führte dazu, dass mein Fahrrad (Carbon) Geräusche machte als ob es gleich auseinander bricht. Irgendwie hatte ich ab da immer wieder Bedenken, dass gleich was passiert. In diesem Zeitfenster überholte mich dann noch (wohl) der „Kona-Express“ der zweiten Startgruppe. Ne gut 40-Mann-große-Gruppe fuhr an mir vorbei. Zwar in Begleitung von zwei oder drei Kampfrichter, aber das erste Penalty-Zelt, das dann später kam war komplett leer. Das hat mich dann noch einmal mental runtergezogen. Ich habe nur noch getreten, bin aber nicht wirklich von der Stelle gekommen. Es ging gar nix mehr. Dann sah ich noch innerhalb einer Gruppe zwei Frauen, die so etwas von Windschatten gefahren sind. Vorweg: Eine habe ich dann auf den letzten 5 Kilometern überholt. Und was sehe ich: Einen roten Strich auf der Startnummer, sprich 6 Minuten Zeitstrafe. Die andere wurde (wohl) nicht erwischt. Ich glaube sie ist AK-Siegerin geworden und fährt damit (wohl) nach Hawaii.

Na ja – Zu mir: Am Ende der ersten Runde wollte ich eigentlich aussteigen, aber irgendwie sagte mir mein Kopf dann doch (gottseidank) was anderes. Habe mir eine Flasche Cola gegönnt und bin dann mit einem 30er Schnitt irgendwie dahingefahren. Insgesamt haben mich weit über 600 Leute auf der Radstrecke überholt und jeder zweite blickte auf mich und mein Rad, welches immer heftigere Geräusche machte. Dann irgendwann bin ich wieder in Frankfurt angekommen und der worst/worst case, nämlich über-6-Stunden-Radzeit ist nicht eingetreten, sondern ich bin mit 5:54 Stunden für die 185 Kilometer auf die Laufstrecke.

Zu Beginn der Laufstrecke war klar, dass ich ein Ziel brauche, sonst wird das nix mit dem Finish. So wollte ich den Marathon in unter 4 Stunden laufen, musste aber zur Halbmarathongrenze das Ziel ändern in „IM-Marathon-Bestzeit“. Mit einigen Tiefen zu Beginn der letzten von 4 Laufrunden, wollte ich aussteigen. Aber meine Frau hat mir wohl die absolut richtigen Sachen auf der Laufstrecke zugerufen, die mich motivierten das Ding jetzt nach Hause zu laufen. So kam es dann, dass ich dann endlich im Zielkanal vom Main zum Römer auf dem roten Teppich lief. Endzeit: 11:10 Stunden. Das Beste daran: Keiner vor mir und keiner hinter mir – Klasse. So wie ich es mir immer einen Zieleinlauf erträumt habe. So konnte ich endlich das Finish für mich genießen, ohne wie im letzten Jahr, dass ein übermotivierter Vater unbedingt sich mit seinem Kind noch zwei Meter vor dem Ziel an mir vorbei drängelte. 

Fazit: 
Ich finde den IM in der Summe in Frankfurt gut. Es ist top organisiert. Für mich stimmt das Preis-/Leistungsverhältnis, obwohl das Startgeld alleine gesehen sehr hoch ist. Super motivierte und nette Helfer überall. Was mich gewundert hat war, dass es deutlich weniger Zuschauer waren, insbesondere auf der Laufstrecke hatte ich das Gefühl. Natürlich ist auch das Thema „Windschatten“ zu nennen. Wahrscheinlich werde ich meine nächste Langdistanz aber woanders machen.

Was meine Leistung betrifft: Ich konnte nicht alles erreichen, was ich mir vorgenommen und worauf hin ich sehr hart trainiert habe. So 2/3 bin ich mit meiner Leistung zufrieden (sehr gutes Schwimmen, befriedigendes Laufen, grandiose Wechsel und ein unterirdischer Rad-Part). Quantitativ betrachtet konnte ich mich sogar in meiner Altersklasse verbessern und bin nun unter die ersten 30 Prozent meiner Altersklasse gerutscht. Was mich im Nachhinein ungemein stolz macht, dass ich nicht aufgegeben habe.

Die beste Leistung haben aber meine direkten Supporter (meine Frau, Torsten, Sybille, Torsten und Silke), die Zuschauer und die Unterstützer aus dem Verein gebracht.

Viele Grüße, Heiko"

 

So, ich glaube, dass war es an Berichten aus Frankfurt. Martin und Heiko hätten fast gemeinsam die Ziellinie überlaufen. Aber wie Heiko schon sagte, so ein Moment ist alleine auch mal ganz schön. Schön, dass Heiko das Thema Windschattenfahren negativ aufgefallen ist. Ich hoffe nur, dass er dennoch weiterhin sauber bleibt. Man könnte hier natürlich – Fabian entschuldige, dass ich das an dem Beispiel Ulle/Armstrong noch mal aufgreife – auch sagen, "Ey, die fahren alle Windschatten, dann mache ich das auch. Schließlich suche ich meine Chance." Nur eines sage ich Euch, dass Gefühl, etwas erreicht zu haben, und sich dabei sauber verhalten zu haben, ist weit aus schöner, als wenn man immer im Hinterkopf hat, dass man beschissen hat!

So, unsere Außenstelle in Duisburg ja leider geschlossen ist, müsste jetzt mal was von Maik kommen. Ah, los geht's: 

"Hallo Leute,

hier kommt mein Bericht für diese Woche. Augrund beruflicher Aktivitäten musste ich an zwei Wochentagen pausieren. Deshalb habe ich mich darauf beschränkt beziehungsweise bemüht die Schlüsseleinheiten ein zu bauen. Am Dienstag ein langer Lauf und am Donnerstag eine kurze Radrunde direkt aus dem Büro nach Tatenberg und dann 27 Kilometer Sabbermodus auf der Pa'a-Challenge-Strecke. Dieses mal waren es fast 42 Minuten, aber darauf kommt es ja auch nicht an. An einer Stelle näherte ich mich von hinten einem Pulk von zirka 20-25 Radfahrern. Die waren in der Gruppe auch mit 37-38 km/h unterwegs. Na ja, da muss man dann halt eben auch vorbei und hoffen das die sich dann nicht provoziert fühlen, wenn sich ein einzelner Triathlon-Spacken an denen vorbei schiebt. Jedenfalls hat das nochmal einen kleinen extra Motivationsschub gegeben. Kopf runter, drücken und treten bis nur noch das weiße in den Augen zu sehen ist, und bloß nicht nach hinten umschauen und hoffen das sie einem nicht am Arsch kleben.


Maik während der Frühtour am Samstag

Und dann kam ja auch schon das Wochenende. Am Samstag und Sonntag waren Mathias und ich jeweils früh morgens zum Radeln verabredet. Am Samstag waren neben den beiden Kopenhagen-Staffel-Startern Thorsten und Norbert auch der Fürst Rainer dabei. Über fünf Stunden sind wir umher geradelt und es wurde Dank herzhafter Männergespräche (Danke Fürst!) nie langweilig. Ich glaube wir haben insgesamt drei Päuschen beziehungsweise kurze Stopps eingelegt, um unsere Radflaschen neu auf zu füllen, Brötchen zu kaufen, Cola, Butterkuchen und Wassermelone in uns rein zu futtern. Es war jedenfalls bullig heiß und bei mir strömte der Schweiß literweise aus den Poren.

Am Sonntag morgen merkte ich schon beim losfahren das der vorherige Tag nicht ganz spurlos an mir vorbei gegangen war. Mathias kam mir dann auch gleich mit Bergedorf-Björn entgegen geradelt, der einen monsterfitten Eindruck macht. Ich bin mir ganz sicher, dass er am Wochenende eine fantastische Zeit in Roth hinlegen wird. Jedenfalls drücke ich ihm dafür alle Daumen. Dann ist auch noch Ben dazu gestoßen. Und Ben war an dem Tag richtig gut drauf und löste bei mir das eine oder andere Mal nur noch ein Schwäche- oder Verzweiflungslachen aus. Als Bergedorf-Björn uns nach kurzer Zeit verließ, hörte ich Mathias noch was von "...aber alles schön ruhig" sagen. Ben war aber so gut drauf das er jede Bodenwelle / Steigung / Autobahnbrücke mit erhöhter Geschwindigkeit hochfuhr und ich die ganze Zeit nur den nächsten Bäcker herbei sehnte. Aber das soll hier gar keine Beschwerde sein. Das hat sehr viel Spaß gemacht und da muss man dann durch. Ich glaube sogar, das Herr "...aber alles schön ruhig" Müller das eine oder andere Mal nicht ganz unbeteiligt an der Druckerhöhung war. Aber bevor er mir hier wieder rechtliche Schritte androht, halte ich mich mit weiteren Details und Ausführungen zurück.


Torsten und Rainer – auch am Samstag Morgen.
Rainer macht auf aggro


Noch was zur aktuellen Diskussion in den Kommentaren. Thema Karbon-Rad: Jedem das seine. Ob es Sinn macht oder nicht, das muss doch jeder für sich entscheiden. Ich rege mich doch auch nicht darüber auf, dass es Leute gibt die sich mehrere tausend Euro in Form einer teueren Uhr ums Handgelenk wickeln. Wo ist da denn der Sinn? Frage ich eine Ferrari-Besitzer ob er überhaupt in der Lage ist die Karre richtig zu fahren? Lasst doch die Leute, egal wie stark oder schwach sie auf dem Rad sind, fahren worauf sie Bock haben. Wenn sich ein 28km/h Fahrer ein P4 kaufen möchte, dann soll er das doch tun. Wo ist das Problem? Das kann doch ein verdammt netter oder lieber Kerl sein! Außerdem kurbelt er/sie die Wirtschaft an und der Radladen um die Ecke freut sich! Erst recht wenn er sein teures Rad für jeden Furz zum Service schleppt. Ich glaube auch nicht, dass Leute "die nicht mehr wissen wohin mit der Kohle", wie von Thomas kommentiert, die Zielgruppe der Langstreckenveranstalter sind. Die haben eben nur maximal 2.000 Leute am Start und müssen auch so und mit dieser Zahl kalkulieren. Für krankheitsbedingte Ausfälle sollte natürlich eine fairere Lösung gefunden werden. Vielleicht so etwas wie eine Warteliste. Spätanmelder können dann nachrücken und Startplätze von krankheitsbedingten Ausfällen übernehmen. Sicher sind die Gebühren happig, aber wenn sich jeder an- und abmelden könnte wie er lustig ist, dann würde es auch sehr viel Spaßanmelder geben. Und das kann es dann auch nicht sein.

Schöne Grüße

Maik

Montag: --
Dienstag: 2:04 Stunden Laufen; 23,4 Kilometer
Mittwoch: --
Donnerstag: 1:55 Stunden Rad; 60 Kilometer
Freitag: 1:00 Stunden Schwimmen; 2.500 Meter
Samstag: 5:05 Stunden Rad; 145 Kilometer
Samstag: 0:25 Stunden; (Koppel-)Laufen
Sonntag: 4:10 Stunden Rad; 120 Kilometer

Gesamt: 14:39 Stunden"

 

 

Juut, so der Maik. Gute 14 Stunden, das kann sich doch sehen lassen. Nun, bei dem Wetter ist es aber ja auch leicht, schöne lange Radausfahrten zu machen (werdet Ihr bei mir auch noch sehen). Heute hätte er übrigens keine rechtlichen Schritte befürchten müssen. Tatsächlich war ich für die eine oder andere Druckerhöhung verantwortlich, weil es mir einfach Spaß macht, Ben ab und an an seine Grenzen zu bringen, eben damit er diese nach oben verschiebt. 
Zur Carbon-Feilen-Diskussion ist dann auch nix mehr zu sagen. Freude am Fahren, Wirtschaft ankurbeln alles gut. Nur liebe Aero-Felgen-Trainingsfahrer, denkt bitte daran, dass Ihr Euch eines wichtigen Psycho-Motivations-Faktoren beraubt, wenn Ihr die schnellen Laufräder an jedem Tag über die Straße rollt. Mehr gibt es dann nicht mehr zu sagen. 

Aah, fast vergessen: Bergedorf-Björn. Jo, der ist fit – wie in Turnschuh. Ich mache hier keine Rechnungen auf, weil ich weiß, dass es Björn gar nicht recht wäre. Aber er hat eine Menge Talent, und war wirklich sehr fleißig, und ich fahre extra wegen ihm nach Roth (und wegen des Essens bei Wirt Willi – Willi Speth in Rudletzholz bei Heideck –; eine glatte Sensation; Unter den 3 Linden), um ihn anzufeuern. Hoffentlich geht alles gut! 

 

So, dann noch zu meiner vergangenen Woche. Also ehrlich, ich war faul in Sachen Schwimmen. Habe ich ja schon gesagt. Aber dennoch habe ich mich, auch vor dem Hintergrund der Hitze, echt reingehängt. Und nimmt man die Aua-Auas meines Rückens noch mit dazu, so könnte ich eigentlich mal den Mann der Woche abschleppen. Wie, glaubt Ihr nicht? Na dann passt mal auf: 

Montag war bisher ganz häufig Ruhetag. Diesmal nicht. Ich war ja noch in Frankfurt und habe ich trotz Rückenweh (das lange Stehen an der Wettkampfstrecke in FFM war Gift für mich) aus dem Bett gehauen, und bin an der Nidda gejoggt. Das ging anfangs schwer, dann immer besser, und wieder einmal wunderte ich mich, was so ein Körper alles machen kann – im Guten wie im Schlechten. 

Am Dienstag stand bei mir dann die Pa'a-Challenge auf dem Programm. Und diesmal war mir der Wind schon etwas mehr gewogen. Nord-West, 3 Windstärken, und ab ging die wilde Lucie. Ich habe getreten und gekeult, und einige von den Radlern, die ich überholte, mögen mich für doof oder bekloppt gehalten haben, – gereicht für die diesjährige Bestzeit hat es nicht. Drei Sekunden bin ich an Björns Zeit vorbei geschrammt. Also stand eine 39:49 Minuten auf meinem Tacho (Schnitt: 43:68 km/h, wie gesagt, Rückenwind). Naja, nicht schlecht. Ich warte jetzt einfach auf einen Orkan, und dann werden wir ja sehen, was geht. Ha. 


Pa'a-Challenge: schon ganz gut, besser wäre aber noch schneller

Am Mittwoch direkt noch den langen Lauf drauf geschraubt. Anfangs ein wenig müde – wohl wegen der Challenge – ging es dann immer besser, und die Sache kam echt zu einem guten Ende. Am Donnerstag schlug die Hitze dann richtig zu. Aber für eine lockere Runde sollte es wohl reichen. Und obwohl es mir die zwei Tage davor Rücken-technisch gut gegangen war, hatte ich plötzlich mächtig Aua. Richtig doof. Achtung, der Witz kommt jetzt: Mit dem Lauf am nächsten Tag war es wieder besser. 

Dennoch hatte dieser Lauf seine eigene Brisanz. Los gejoggt bin ich um 17 Uhr und was dermaßen heiß, dass ich es fast nicht fassen konnte. Habe den Lauf, glaube ich, nur überstanden, weil ich mir ein paar Sprüche ausgedacht habe. Und die gingen so: 

Hitzelaufen:

Du weißt, dass es zu heiß zum Laufen ist, wenn –> Du Dein Shirt aus Angst vor der Hitze zuvor in eiskaltes Wasser tauchst, sodass Du beim Ankleiden fast einen Herzinfarkt erleidest, der ganze Kühleffekt jedoch schon nach 500 Metern für die Katz ist!

-> Du nach 5 Kilometern relasierst, dass niemand (!) sonst läuft, und alle Fußgänger mit Sonnenschirm den Kopf schütteln.

-> Du nach kurzer Zeit schon so kaputt bist, dass Du zur Pinkelpause anhälst, obwohl Du gar nicht musst – dann aber feststellst, dass es im Stehen alles nur noch schlimmer wird.

-> Mütter mit ängstlichem Blick, ihren Kleinkindern die Milupaflasche entreißen, aus lauter Angst, dass Du es sonst machst.

-> sich eine Fliege versucht in Deiner zum leichten Griff geformten Hand zu verstecken, weil sie meint, ein schattiges Plätzchen gefunden zu haben.

-> Du noch mitbekommst, wie ein Passant bei Deinem Anblick die 112 wählt, und zwei Minuten später ein Feuerwehrwagen seinen Wasserschlauch mit 3 Atü auf Dich hält. (oh, das wäre schön gewesen)

-> Sanitäter und Ärzte neben Dir her rennen, weil sie medizinische Daten erfassen wollen, die sie sonst nicht kriegen.

-> kurze Zeit später wieder Sanitäter in weiß hinter Dir her rennen, die aber so eine komische Jacke in der Hand haben, wo die Arme so lang geschneidert sind, dass man sie nach dem Anziehen hinter dem Rücken wieder zusammen binden kann.

-> Du weißt, dass es zu heiß zum Laufen ist, wenn Du Dich zu Hause über ein Tempo freust, über welches Du Dich auch vor drei Jahren in der Reha, nach einem dreifachen Schienbeinbruch gefreut hattest. 

-> Du Dir den Winter herbei wünschst!

Und letztlich: Du weißt, dass es zu heiß zum Laufen ist, wenn Du hinterher drei Liter Bier getrunken hast, und immer noch nicht Pinkeln musst. 


Geschluckt und verpufft!

Samstag und Sonntag waren dann die langen Radtage. Samstag 6:30 Uhr, ab auf den Hobel und los. Das war eine wirklich gemütliche, und dann der Teilnahme von Fürst-Rainer, eine wirklich unterhaltsame Tour. Leute, haben wir gelacht. Herrlich. Gegen Ende waren wir aber – trotz zweier Pausen mit Cola und alkoholfreiem Weizen, und Kuchen etc. – so fertig, dass Rainer und ich einfach in die Dove-Elbe gesprungen sind. Helm ab, Shirt aus, Schuhe, Socken auch aus, und rein. Danach ging es besser. 


Herrliche Abkühlung – Rainer in der Dove-Elbe

Sonntag morgen wieder 6:30 Uhr, und wieder ein gemütliche Runde. Wieder mit Maik, ansonsten noch mit Ben (Benito Serpentini). Und das war es schon, meine Woche: 

Montag: 1:05 Stunden Laufen; 12 Kilometer
Dienstag: 2:39 Stunden Rad; 80 Kilometer (Pa'a-Challenge 39:49)
Mittwoch: 2 Stunden Laufen; 24 Kilometer
Donnerstag: 2:37 Stunden Rad; 75 Kilometer
Freitag: 1:05 Hitze-Laufen; 12 Kilometer
Samstag: 5:30 Stunden Rad; 154 Kilometer
Sonntag: 4:35 Stunden Rad; 137 Kilometer

Gesamt: um die 19:30 Stunden. 

Naa, nicht so schlecht, oder?! Im Ernst, ich glaube so eine Woche hatte ich fast überhaupt noch nie außerhalb eines Trainingslagers. Je oller, ne doller. Juut, jetzt muss ich noch mal ans Schwimmen ran, klar. Ansonsten wird es in der kommenden Woche wieder weniger, nicht zuletzt, weil ich nach Roth zum Anfeuern fahre. Also nicht, dass Ihr hinterher wieder sagt, Ihr hättet es nicht gewusst: Ich werde da sein! 

So, das war es nun aber auch mit einem doch recht langen Blog. Das war dann wohl meine heutige Drei-Stunden-Ausfahrt. Sei's drum. 

Herzlichst, Euer mathias

 

P.S: In der letzten TriathlonTraining steht es weiß auf schwarz: Es gibt keine seriösen wissenschaftlichen Untersuchungen, dass Kompressionssocken den Blutrückfluß und somit die Sauerstoffversorgung verbessern. "Ein Kompressionsstrumpf kann während der Belastung überhaupt nicht auf die Blutgefäße wirken, weil er niemals gegen die Kraft eines arbeitenden Muskels ankommt", sagt Dr. Billy Sperlich von der Deutschen Sporthochschule Köln in dem Magazin. Sperlich hält viele anders lautende Studien für unseriös. Das hält ihn jedoch nicht davon ab, so das Magazin, die Socken im Training zu tragen. Wenn Athleten sich damit wohler fühlten, sollten sie die Socken ruhig tragen, so der Wissenschaftler. 
Ergo: Da sind wir wieder beim Thema. Alles ist erlaubt, auch wenn es nicht unbedingt Sinn macht. Nur eins kann ich Euch sagen: Ich möchte auf einem Zielfoto nicht mit Kniestrümpfen abgebildet sein! 

In diesem Sinne, m. 

Zuletzt aktualisiert am 13.07.10
 
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Kommentare

  • Zielstrich 2010
    Hallo Mathias, stille Leser werden laut, wenn es sein muß! Ich wünsche Anna, Paul(ine) und Dir alles Liebe und Gute. Schon jetzt ist es doch sicher eine spannende Zeit für Euch. Ich darf das sagen, bi... mehr...
    31.08.10 13:46
    von Eveline Nestler
  • Zielstrich 2010
    Hallo Mathias, danke für Deinen tollen Blog und erstmal gute Erholung. Sehe ich das richtig Regensburg 2011...mit Nachwuchs? Ich glaube Du kannst es schaffen! Hobbit (PS: Leider kann ich deinen RSS Fe... mehr...
    31.08.10 07:11
    von Hobbit
  • Zielstrich 2010
    Liebe Leute, hier sind die Neugigkeiten: Habe mich soeben für Regensburg 2011 angemeldet. Einer muss das Heft ja in die Hand nehmen. Ich würde mich freuen, den einen oder anderen von Euch dort zu sehe... mehr...
    27.08.10 13:33
    von mathes
  • Zielstrich 2010
    Hi Mathias, lese leider die letzten beiden Einträge erst jetzt. Zunächst mal meine herzlichsten Glückwünsche zum anstehenden Nachwuchs! Eine wundervolle Zeit erwartet Euch. Tja, und am Wochenende war ... mehr...
    26.08.10 12:05
    von Soeren
  • Zielstrich 2010
    Noch was ... Training mit Baby ist übrigens gut nachts zu machen: Mama wird mit Baby so ab 20/21 Uhr im Bett sein (beide hundemüde), dann kannst Du raus und loslaufen - so war / ist das jedenfalls bei... mehr...
    25.08.10 17:15
    von Matthias

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